Lake placid verliert die startnummern – das ibu-cup-finale dreht sich kurzfristig durch
Startnummern fest im Zollbüro von Albany, Staffelrennen auf Samstag verschoben – das Saisonfinale des IBU-Cups in Lake Placid beginnt mit einem Debakel für den Weltverband. Statt Mixed-Staffel und Single-Mixed hätten die Zuschauer am Mittwochmorgen nichts sehen können, wenn nicht die Organisatoren binnen 24 Stunden das komplette Programm umgeschrieben hätten.
Warum frankreichs coach desthieux am dienstagabend noch selbst zur schere griff
„Wir haben überlegt, ob wir alte Nummern aus dem Fundus nehmen oder einfach mit Klebeband und Edding improvisieren“, sagt Baptiste Desthieux. Der Franzose gibt es offen zu: Er war es, der am Telefon mit dem IBU-Büro drohte, ohne Nummern keine Athleten auf die Strecke zu schicken. Die Antwort des Verbandes folgte postwendend: Sprints statt Staffeln, Massenstarts vor den Staffeln – ein Zirkus, der in der Geschichte des zweitklassigen Weltcups einmalig ist.
Die Folge: Die Athleten müssen zwei Tage früher Vollgas geben. Frauen und Männer starten heute in die 7,5 bzw. 10 km-Sprints, am Freitag folgt das Massenkarambolage-Rennen, bevor am Samstag endlich die Staffeln über die Bühne rollen – mit Startnummern, die dann hoffentlich nicht mehr nach Papier riechen.
Die Panne offenbart ein strukturelles Problem: Der IBU-Cup reist mit 60 Koffern voller Material durch den Nordosten der USA, aber keiner der Manager hatte die Idee, die Nummern als Handgepäck mitzuführen. Stattdessen landeten sie im Frachtraum einer Maschine, die am Sonntag in Albany festsaß – und dort vom Zoll als „nicht dringend“ deklariert wurde.

Was die athleten jetzt wirklich umtreibt
Die Strecke in Lake Placid ist anspruchsvoll, 38 Höhenmeter pro Runde, Pulver auf den ersten 200 Metern. Wer heute Sprint muss, morgen aber wieder an den Start, um sich für das Massenstartrennen zu qualifizieren, läuft Gefahr, innerhalb von 48 Stunden zwei Maximalbelastungen zu absolvieren. Die norwegische Delegation reagierte sofort: Sportdirektor Per Arne Botnan ließ seine Athleten am Dienstagabend noch eine Massage einplanen, statt die Strecke abzufahren.
Deutschlands IBU-Cup-Coach Florian Notz klingt nach dem Motto „Wir sind gewappnet“, doch hinter vorgehaltener Hand sagt er: „Wer hier medaillenwillig ist, muss eben zwei Tage vorher die Beine frei machen.“ Die deutsche Mannschaft reiste mit acht Athleten an, vier sollen Punkte sammeln, vier dienen als Backup. Die Startnummer-Panne bringt nun alles durcheinander.
Am Ende bleibt ein Fakt: Die Zuschauer bekommen mehr Action, die Athleten mehr Stress und der Verband ein Debakel, das sich mit einem einzigen Handgepäck-Koffer verhindern ließe. Wenn das nächste Mal wieder jemand behauptet, Logistik sei langweilig, schickt ihm diesen Artikel. Die Nummern kommen Ende Woche – aber der Ruf des IBU-Cups ist schon jetzt ramponiert.
