Kwiatkowski zeigt offene wunden nach horrorsturz in san remo

Michal Kwiatkowski liegt flach, aber er liegt. Der 35-jährige Pole veröffentlichte am Dienstagabend ein Foto, das einem schweren Märchen gleicht: Seine rechte Körperseite gleicht einem Farbkasten aus Violett und Bordeaux, ein 30 Zentimeter langes Muskelbündel ist entzündet, 24 Zentimeter tief sitzt das Blut in der Faszie. „Ich weiß nicht, wie ein gebrochenes Bein schmerzt – das hier fühlt sich an wie die Hölle“, schreibt er über das Bild.

Sturz bei 64 kilometern bis san remo

Die Kollision passierte auf der Abfahrt nach Capo Berta, als ein Fahrer von Pinarello-Q36.5 die Spur wechselte und Kwiatkowski in die schutzlose Metallkante einer Verkehrsschilderung schleuderte. Teamkollege Tadej Pogacar konnte ausweichen und fuhr später zum Sieg – Kwiatkowski flog in den Straßengraben. Ersthelfer berichten, dass der ehemalige Weltmeister zunächst bewusstlos war, bevor er sich wieder aufrappelte und sich auf die Knie sinken ließ.

Die Diagnose des Universitätsklinikums San Remo ließ selbst erfahrene Radiologen stutzen: kein Bruch, aber ein kompletter Mikrofaserriß im Rectus femoris, ein intramuskuläres Hämatom von der Größe einer Tischtennisballhälfte und ein Ödem, das sich bis zum Oberschenkelansatz zieht. Kwiatkowski selbst lacht bitter: „Mein Quadrizeps sieht aus wie ein Luftkissenboot, das man mit einem Nagel zerstochen hat.“

Ineos spricht von „wunder ohne knochenbruch“

Ineos spricht von „wunder ohne knochenbruch“

Teamarzt Dr. Phil Riley bestätigte, dass Kwiatkowski bereits vier Tage nach dem Sturz das Krankenhaus verlassen durfte. „Die MRT-Bilder zeigen, dass keine Sehne angerissen ist. Das ist ein medizinisches Wunder bei dieser Energie“, sagt Riley. Der Pole absolviert aktuell zweimal täglich Lymphdrainage und nutzt einen Antigravitationslaufband, um die Schwellung zu reduzieren. Trotzdem bleibt die Frage: Startet er am 6. April in der Baskenland-Rundfahrt?

Kwiatkowski selbst schiebt die Antwort auf. „Ich werde nicht das zweite Mal mit dem Kopf durch die Wand rennen“, sagt er. „Aber wenn ich die Beugung wieder schaffe, fahre ich. Die Startnummer ist bereits gedruckt.“

Die Zahlen sind eindeutig: Seit seinem Profidebüt 2010 verpasste der Pole nur 18 Rennwochen wegen Verletzungen – eine Ausfallquote, die im Peloton als legendär gilt. Doch diesmal wirft ihm sein Körper eine andere Rechnung vor. „Ich kann noch nicht Treppen steigen, aber ich kann noch lächeln. Das zählt“, beendet er den Post – und lädt ein Video hoch, auf dem er mit verbundenem Bein auf dem Rollentrainer sitzt. Die Pedale drehen sich langsam. Die Saison ist noch nicht vorbei, aber die Schmerzskala bleibt offen.