Kwasniok zieht notbremse: „zesamme sin mer stark“ – aber reicht das gegen gladbach?

Lukas Kwasniok spricht sich selbst Mut zu, während die Uhr tickt. Seit fünf Monaten hat der 1. FC Köln nur zwei Siege geholt, sechs Pflichtspiele in Folge blieb der Aufsteiger sieglos. Jetzt, vor dem Rhein-Derby gegen Gladbach, wirft der Trainer das Zauberwort „Kulturwandel“ in den Raum – und klingt dabei, als wüsste er genau, dass er nicht mehr viele Pressekonferenzen vor dem Klublogo mit dem Hänneschen geben wird.

„Kein ultimatum“ – klingt wie ein ultimatum

„Diese Ansage gab es nie“, sagt Kwasniok, wenn man nach seinem Job fragt. Dabei hat kein Reporter von einem Ultimatum gesprochen. Die bloße Erwähnung zeigt: Intern brodelt es. Thomas Kessler und Ulf Sobek beobachten, werten, schweigen. Sie schätzen seine Trainingsarbeit, das bestätigen mehrere Staff-Mitglieder. Doch schätzen reicht nicht, wenn die Punkteausbeute nach 13 Spielen auf dem Relegationsplatz döst. Die Geschäftsführung wird nicht achselzuckend in Liga zwei rutschen, nur um Kontinuität zu zelebrieren.

Kwasniok weiß das. Deshalb bemüht er das Motto „Zesamte sin mer stark“, als wäre es ein Seil, das ihn über den Abgrund trägt. Er spricht vom Verein „auf links drehen“, meint: Strukturen, Kommunikation, verdeckte Machtkämpfe. Wer im Geißbockheim arbeitet, hört heraus: Er findet, dass einige Mitarbeiter noch immer denken wie ein Bundesligist, statt wie ein Abstiegskandidat. Das kann tödlich sein.

Das freiburg-beispiel – ein irrtum in köln

Das freiburg-beispiel – ein irrtum in köln

Sein Lieblingsvergleich: der SC Freiburg. „Jeder will arbeiten wie in Freiburg“, sagt er, „festhalten, wenn es mal schlecht läuft.“ Was er verschweigt: 2012 stieg Freiburg mit Christian Streich tatsächlich ab – und stieg sofort wieder auf. Die Lehrstunde lautet: Kontinuität ist kein Selbstzweck, sondern nur dann wertvoll, wenn die sportliche Trendwende kommt. Genau das steht für Köln auf dem Spiel.

Die Causa lautet: Der Kader ist zu dünn für zwei Ligen. Die Verletztenliste liest sich wie ein Krankenhausplan: Kilian, Hübers, Maina. Selbst wenn Kwasniok gegen Gladbach auf eine Sieg-Formation umschichtet, fehlt Tempo in den Außenbahnen und Killerinstinkt im Strafraum. Die Statistik nagt: 13 Gegentore in den letzten fünf Partien, nur 11 eigene Tore insgesamt. Die erwarteten Tore (xG) liegen bei fast 18 – das zeigt: Die Chancen sind da, aber niemand verwandelt sie.

Medienrummel bleibt, ergebnisse müssen kommen

Medienrummel bleibt, ergebnisse müssen kommen

Kwasniok wettert gegen „die Medien“, weil Köln eben eine Medienstadt ist. Dabei ist der Druck nicht extern erfunden, sondern intern produziert. Je länger die Sieglos-Serie dauert, desto lauter werden die Fragen nach der eigenen Fehlerkultur. Nach dem 0:3 in Bremen rastete ein Spieler im Mixed-Zone-Bereich aus: „Wir reden nur, wir handeln nicht.“ Solche Sätze erreichen die Vorstandsetage schneller als jede Kolumne.

Gegen Gladbach droht nun das Horrorszenario: eine Derby-Pleite vor heimischer Kulisse, das sechste Spiel ohne Dreier, der Rückstand auf Platz 16 wächst auf fünf Punkte. Kwasniok sagt: „Wir werden unser Ziel erreichen.“ Was sonst soll er sagen? Aber die La Ola im Stadion wird nicht mehr für schöne Reden schwingen, sondern nur noch für Tore. Um 15.30 Uhr rollt der Ball, danach weiß jeder, ob „Zesamte sin mer stark“ ein Motto oder ein Epitaph war.