Krol über napoli: „ich brüllte ‚blumen, blumen‘ – niemand kapierte den abseitsfall“

Ruud Krol lacht laut, wenn er an seine Anfänge bei Napoli denkt. 42 Stunden Flug von Vancouver über Toronto, New York und Frankfurt bis Neapel. Kein Italienisch in der Tasche, dafür ein Bündel Nervosität und ein Satz, der seine Mitspieler ratlos zurückließ: „Fiori, fiori!“ Gemeint war der Abseitsfall, gerufen in einem Deutsch, das niemand verstand. „Am Ende musste ich mir einen Sprachlehrer suchen. Zuerst die Fußballbegriffe, dann die Liebe zur Stadt“, erzählt der 77-Jährige im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt.

Die fischer von mergellina und der geruch nach meer

Posillipo kam später, zuerst quartierte sich der Abwehrspieler im Hotel Excelsior ein. Vier Monate suchte er eine Wohnung, fand sie schließlich auf dem Hügel über dem Golfo. „Aber das echte Neapel roch ich an der Mole von Mergellina“, sagt Krol. Ein früher Spaziergang, ein Fischer erkennt ihn, ruft die Kollegen. „Krol ist da!“ Hände voller Fischschupen, Umarmungen, salzige Luft. „So etwas kannte ich nicht. In Amsterdam feiern dich Fans, in Neapel adoptieren sie dich.“

Den Transfer hatte Antonio Juliano durchgeboxt. Der Manager des SSC Napoli flog sogar nach Kanada, um den Verteidiger aus der MLS zu locken. „Er wiederholte nur: ‚Ich will dich in Neapel.‘ Ich wollte Abenteuer – und bekam ein Leben.“

Cruijff, rivera und der traum vom offenen spiel

Cruijff, rivera und der traum vom offenen spiel

Krols Stimme wird rauer, wenn er über Johan Cruijff spricht. „Ein Trainer auf dem Platz. Er machte dich besser, ob du wolltest oder nicht.“ Nach dem Training blieben sie zurück, Krol links, Cruijff links, gegen Reinhard Mühren und Piet Keizer. Der Mannschaftskollege wurde Privatlehrer. „Diskussionen waren Teil des Trainings. Er wusste: Ohne die anderen zehn ist selbst ein Genie machtlos.“

Italiens Stadien hatte Krol schon als Kind betreten. Urlaub am Comer See, Vater und Sohn folgten einem Plakat: AC Milan gegen? „Da stand 16-jähriger Gianni Rivera im Mittelkreis. Ich sagte: ‚Ich will hier spielen.‘ Dreizehn Jahre später stand ich gegen ihn auf dem Platz, 1974, WM in Deutschland. Traum erfüllt, Traum abgehakt.“

Warum er spallettis napoli lieber mag als contes

Warum er spallettis napoli lieber mag als contes

Zwei Scudetti in drei Jahren – trotz Verletzungspech. Krol verfolgt die Serie A noch immer, analysiert, telefoniert mit Koeman, schickt Tipps. „Das aktuelle Napoli hat Qualität, aber der Spielplan war ein Erdbeben. Dennoch: nie unter Rang vier. Das zeigt Stärke.“ Wenn er sich entscheiden muss, ob er lieber in Spallettis oder Contes Team gespielt hätte, zögert er keine Sekunde. „Spalletti. Ballbesitz, Pressing, nie zurück. Mein Fußball ist nach vorne, nie catenaccio. Ich hasse es.“

Die Sonne zieht ihn noch immer in den Süden. Krol lebt zwischen Alicante und Kapstadt, dort wo das Licht sein Gesicht streichelt wie damals in Mergellina. „Kaffee schmeckt nur in Neapel. Und Erinnerungen nur, wenn man sie teilt.“ Er lacht wieder, greift nach einem Ball, der vorbeirollt. Ein letzter Satz: „Wenn ein Taxifahrer sagt: ‚Du warst der Held meines Vaters‘, weißt du, dass deine Geschichte nicht im Archiv verstaubt. Sie lebt – irgendwo zwischen ‚fiori‘ und einem Fischgeruch, den ich nie vergessen habe.“