Freiburg verpasst den auswährts-coup: pfosten, patzer, punktlos

Der SC Freiburg ist in Frankfurt wieder mit leeren Händen dagestanden, und diesmal war es kein Befehl, sondern ein Schicksal, das sich in 90 Minuten in drei Akten aufteilte: Igor Matanovic trifft den Pfosten, Matthias Ginter trifft den Gegner, danach trifft Fares Chaibi den Ball zum 1:0 ins Netz. Das 0:2 am Ende schmeckt nach verpasster Großchance und nach alter Leier: achte Auswärtsniederlage, erst eines von sieben Spielen jenseits des Schwarzwaldes gewonnen.

Die szene des tages war keine torjubel, sondern ein kopfball gegen den querbalken

Minute 43. Günter flankt, Matanovic steigt, die Eintracht-Fans halten den Atem an – und dann klatschen sie ab, weil der Ball rausprallt. „Ich habe ihn schon drin gesehen“, sagt Julian Schuster später, sein Blick geht ins Leere, als redete er von einem Gespenst. Diese eine Kopfballszene steht sinnbildlich für ein halbes Jahr, in dem der SC in fremden Stadien an die Stangen trifft, statt an die Spitze.

Die Statistik nagt. 17 Saisontreffer in 17 Heimspielen, nur neun in 15 Partien auf fremdem Rasen. Die Tabelle lügt nicht: Freiburg ist daheim Europa-Kandidat, draußen Abstiegszone. Die Ursache ist keine Taktikschablone, sondern eine Mischung aus fehlender Killerinstinkt und kurzen Blackouts. Gintents Pass in der 66. Minute war kein Zufallsprodukt, sondern der Beginn einer Fehlerkette, die Eggestein und Ogbus nicht unterbrechen, weil keiner so richtig Schuld übernehmen will. Sekunden später liegt der Ball im Netz, und die Hessen lachen.

Schuster sieht fortschritt, die tabelle sieht stillstand

Schuster sieht fortschritt, die tabelle sieht stillstand

Trotzdem spricht der Trainer von „deutlicher Steigerung“. Recht hat er: Im Januar 2023 flog Freiburg mit 1:4 und 0:4 aus Frankfurt und Stuttgart. Jetzt verliert man nur mit 0:2, aber dank besserer Chancen klingt das wie ein Trostpreis. Der Blick auf die restlichen Auswärtstermine ist hart: St. Pauli wartet im Millerntor-Kessel, danach Bayern und Leipzig. Wer dort nichts mitnimmt, darf im April im eigenen Stadion nur noch aufs Halbfinale hoffen, nicht auf die Europa League.

Die gute Nachricht: Noah Atubolu parierte dreimal Weltklasse und verhinderte Schlimmeres. Die schlechte: Ohne Matanovic’ Pfostenschuss und Grifo’s Zetterer-Opfer wäre die Partie schon zur Pause gelaufen. In drei Wochen in Hamburg muss endlich der erste Schritt folgen, sonst bleibt die Rechnung einfach: acht Auswärtspleiten, null Selbstvertrauen, ein Saisonziel, das in der Ferne verpufft.

Für Freiburg gilt: Wer nicht trifft, muss rennen – und wer in St. Pauli wieder nur rennen will, ohne zu treffen, darf sich nicht wundern, wenn die Europa-League-Träume am Millerntor endgültig auf der Reeperbahn landen.