Krols napoli-epos: vom 'fiori'-missverständnis zum ewigen neapolitaner
Ruud Krol, der legendäre niederländische Verteidiger, blickt zurück auf eine Karriere, die ihn von Amsterdam nach Vancouver und schließlich in die Herzen von Neapel führte. Seine Geschichte ist geprägt von Fußballgenie, kulturellen Missverständnissen und einer unsterblichen Liebe zur Stadt am Vesuv – eine Geschichte, die selbst nach 77 Jahren noch immer die Menschen berührt.
Die 'fiori'-verwirrung und der duft des meeres
Krol erinnert sich lachend an seine ersten Tage in Italien: „In meinen ersten Spielen in Italien schrie ich ständig 'Fiori, fiori', um die Abseitslinie hochzuhalten. Niemand verstand mich!“ Doch nicht nur sprachliche Barrieren gehörten zu den Herausforderungen. Die Wärme und Herzlichkeit der Neapolitaner überwältigten ihn. Er schildert eine Begegnung an der Mergellina: „Ich ging früh morgens am Lungomare spazieren und wurde von einer Gruppe Fischern entdeckt. Sie brachen los, umarmten mich und ich erinnere mich noch an ihre Hände und den starken Geruch nach Fisch.“

Ein könig kehrt zurück: erinnerungen und heldenverehrung
Auch nach Jahrzehnten spürt Krol die tiefe Verbundenheit zu Neapel. „Jedes Mal, wenn ich zurückkehre, reicht ein Taxifahrt, um mich von Erinnerungen zu überfluten. Junge Leute sagen mir: 'Sie waren ein Held für meinen Vater, ich habe ein Foto von Ihnen zu Hause.'“ Sein Ankunft in Neapel war alles andere als ein Spaziergang. Nach einem langen Trip von Vancouver über Toronto und New York, landete er erschöpft in Neapel, wo er sofort eine Präsentation absolvieren sollte. „Ich sagte: 'Ich will schlafen!'“

Cruijff: mehr als nur ein trainer
Die Zusammenarbeit mit Johan Cruijff wird von Krol als prägend beschrieben. „Er war außergewöhnlich. Er machte dich zu einem besseren Spieler.“ Krol schätzt Cruijffs Fähigkeit, das Spiel zu lesen und seine Spieler zu fordern. „Er war ein Trainer auf dem Platz, wir diskutierten viel, es war eine sehr ehrliche Beziehung.“

Napoli heute: spalletti oder conte?
Krol verfolgt die jüngsten Erfolge des SSC Neapel mit großem Interesse. Bei der Frage, ob er sich in der Mannschaft von Spalletti oder Conte wohler gefühlt hätte, entscheidet er sich eindeutig: „Ich sage den Napoli von Spalletti. Ich mag es, wenn eine Mannschaft immer angreift und gegen den Gegner verteidigt. Das ist mein Fußball. Immer vorwärts!“
Die Verletzungspech der aktuellen Mannschaft trübte zwar die Saison, doch Krol betont: „Trotzdem sind sie nicht unter den Top-Vier-Plätzen abgesackt, das zeigt, wie stark sie sind.“ Er lobt insbesondere Malen und De Roon für ihre Leistungen in der Serie A.
Die Geschichte von Ruud Krol ist mehr als nur eine Fußballerkarriere. Sie ist ein Zeugnis für die Macht des Fußballs, die Fähigkeit, Barrieren zu überwinden und Herzen zu erobern – ein Beweis dafür, dass ein niederländischer Verteidiger zum größten Neapolitaner überhaupt werden kann.
