Kanada schließt partey aus – ghana startet ohne seinen mittelfeldmotor
Thomas Partey wird Ghana
beim Auftakt der Weltmeisterschaft fehlen. Kanada verweigerte dem Mittelfeldspieler des FC Villarreal am späten Dienstagabend die Einreise, weil Vorwürfe sexueller Übergriffe seine Akte schwärzen. Das erste Gruppenspiel gegen Panama in Toronto droht zur Farce zu werden.Visa abgelehnt – die fifa schiebt verantwortung ab
Die Nachricht kam per Pressemitteilung der Fifa, formuliert wie eine knappe Entschuldigung: „Die FIFA bestätigt, dass der Spieler Thomas Partey aufgrund der Entscheidung der kanadischen Behörden nicht ins Land einreisen darf.“ Die Antidiskriminierungsrichtlinien Ottawas sind klar: Wer wegen schwerer Straftaten angeklagt ist, erhält kein Visum. Die Fifa wäscht die Hände in Unschuld und verweist auf die „ultimative Hoheit der Gastgeberregierungen“ – ein Satz, der vielen Verbandsvertretern in Nyon bitter auf der Zunge zergeht.
Der 31-Jährige befindet sich seit Montag mit der ghanaischen Delegation in einem Bostoner Hotel. Drei Flugstunden trennen ihn von Toronto, doch die Grenze bleibt für ihn geschlossen. Trainer Otto Addo muss nun binnen 24 Stunden eine neue Sechser-Formation improvisieren – ohne den Mann, der in der Qualifikation elf von zwölf Partien von der ersten Minute an bestritt.

Vorwürfe wie ein dunkler schatten
Parteys Ruf ist seit Juli 2025 zerrissen. Die Londoner Polizei wirft ihm fünf Fälle von Vergewaltigung und eine Körperverletzung vor. Im Februar 2026 kamen zwei weitere Vergewaltigungsvorwürfe hinzu; Gerichtstermine sind bislang nicht angesetzt. Solange keine rechtskräftige Verurteilung vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung – doch für Kanadas Grenzbeamte reicht der bloße Verdacht.
Die Konsequenzen sind sportlich brisant: Ghana verliert seine taktische Leitplanke. Partey ist der Ballverteiler, der das Spiel tempo- und richtungsbestimmend lenkt. Ohne ihn droht ein überschaubares Mittelfeld zu kollabieren. Der Verband prüft juristische Schritte, weiß aber, dass Eilanträge angesichts der WM-Zeitpläne kaum Aussicht auf Erfolg haben.

Die uhr tickt bis mittwoch 1.00 uhr mesz
In Toronto herrscht bereits Ausnahmezustand: Organisatoren sichern Tickets, schotten VIP-Bereiche ab und bereiten sich auf Proteste feministischer Gruppen vor. Die ersten Transparente flattern vor dem BMO Field: „Kein Platz für mutmaßliche Täter auf unseren Rängen!“
Addo kalkuliert mit einer Dreier- statt Doppel-Sechs, womöglich rückt Iddrisu Baba ins Zentrum – ein Defensivstratege, der jedoch nicht annähernd Parteys Spielintelligenz besitzt. Die Schwarzen Stars starten somit mit gebrochenen Flügeln in ein Turnier, das sie als „Endspiel der Generation“ betitelten.
Die Fifa wird diesen Vorfall nicht in ihren offiziellen Berichten erwähnen. Doch die Zahl steht: ein Verletzter in Boston, 40.000 Fans in Toronto und ein Kontinent, der fragt, ob Fairness im Fußball weiterhin nur ein Schlagwort bleibt.
