Jorit bepinselt das maradona: napoli-fans wählen ihr dream team an die fassade
Ein 280 Quadratmeter großes Gesicht von Diego Armando Maradona starrt fortan jede Buslinie 603 an, die Richtung Fuorigrotta rattert. Graffiti-Künstler Jorit hat das Napoli-Stadion gestern mit einem Megamural eröffnet – und die Fans haben das Line-up per Instagram-Poll bestimmt.

Die elf gesichter, die neapel erzittern lassen
Zoff zwischen den Pfosten, Koulibaly als Betonwand, Hamsik mit der 17-Mähne – die Wand an der Tribüne Distinti liest sich wie eine Timeline der letzten 40 Jahre. 1,2 Millionen Interaktionen fielen bei der Abstimmung an. Careca landete knapp vor Lavezzi, Mertens schob sich an Cannavaro vorbei. Bruscolotti, der 1985 die Coppa Italia hob, ist trotz Retro-Status dabei. Jorit sprayte 38 Stunden in Folge, das Klima in Neapel sei "wie ein Ofen", sagt er, "die Farbe trocknet, bevor du den nächsten Strich ziehen kannst".
Bürgermeister Gaetano Manfredi nutzte die PR-Bühne, um zwei Botschaften zu versenden: Erstens kostet die Komplettsanierung des Stadions 203 Millionen Euro. Zweitens wird der Maradona auch ohne EURO 2032 umgebaut. „Wir fangen im Sommer mit dem dritten Ring an, 20 Millionen sind bereits auf dem Stadt-Konto“, erklärt er. Die restlichen 153 Millionen sollen aus der Region Campania und Sponsoren kommen, die sich an dem „Stadion-Hub"-Konzept beteiligen wollen.
Die Zahlen sind gewaltig: 70 000 Plätze statt bisher 54 000, 1300 Parkbuchten, keine Laufbahn mehr, dafür Skyboxes bis an die Eckfahne. Die Akustik wird so gedämpft, dass der Schiri jeden Fluch hören wird. Und weil der Maradona mitten im Wohnviertel steht, plant die Stadt Tiefgaragen unter den nahegelegenen Parks. Anwohner fürchten Verkehrschaos, Manfredi verspricht "Urban Living statt Match-Day-Stau".
De Laurentiis schwieg während der Präsentation. Stattdessen ließ er durchblicken, dass er weiter an einem eigenen Stadion bastelt. Die Kommune und der Präsident „telefonieren wöchentlich", sagt Manfredi mit einem Grinsen, das mehr Kalender als Kompromiss andeutet.
Am Ende bleibt ein Bild: Maradona, 14 Meter hoch, lacht über der Via Gioacchino Rossini. Darunter steht in Neapel-Blau: "Napoli Dream Team". Es ist die erste Farbschicht auf einem Bauzaun, der noch Jahre stehen wird. Denn wenn die Bagger rollen, wird aus dem alten San Paolo ein Amphitheater, in dem die Stadt ihre Geschichten neu erzählt – mit oder ohne Europameisterschaft.
