Drittliga-schlusslicht wirft premier-league-riesen raus – shearer feiert waine

Ben Waine schlug sich die Hände vors Gesicht, als ihm Sky Sports das Handy hinhielt. Alan Shearer, seine lebende Ikone, hatte getwittert: „What a header, son!“ 24 Jahre alt, bislang in England ein Nobody, auf einmal Grüße vom Local Hero aus St. James‘ Park. Der Stürmer von Port Vale, Tabellenletzter der League Two, hatte gerade mit einem Kopfball-Salto-Siegtor gegen Sunderland die nächste FA-Cup-Sensation perfekt gemacht. 1:0, Achtelfinale, historisch.

Seit 1954 wartete vale auf diesen tag

Die Zahl klingt wie ein Scherz: 27 Liga-Punkte nach 32 Spielen, 26 Tore, 17 Niederlagen. Doch im Pokal verwandelt sich der Klub aus Burslem in eine andere Spezies. Waines Treffer aus dem Gewühl – hoher Bogen, langes Eck – beschert dem Verein erstmals seit 70 Jahren wieder ein Viertelfinale. Letzter Auftritt dort: 1954, 2:1 gegen Liverpool. Damals wie heute stand Vale auf Platz eins – nur von hinten.

Der Neuseeländer, 2023 von Plymouth zu den Valiants gewechselt, trägt in vier Pokalspielen drei Tore vor. In der Liga braucht er 21 Partien für dieselbe Ausbeute. Die Diskrepanz ist so groß, dass selbst Trainer Jon Brady nach Abpfiff fragte: „Sind wir wirklich unter den letzten Acht?“ Seine Kinder sollen erst einmal glauben, Papa sei unter den „letzten 32“ – so groß ist das Fassungsloch zwischen Alltag und Märchen.

Der tag, an dem waine sunderland hasste – und liebte

Der tag, an dem waine sunderland hasste – und liebte

Für Waine war es mehr als ein Sieg. Seine Mutter kommt aus Newcastle. Im Wohnzimmer liefen die Tyne-Wear-Derbys, die Videos von Shearers Volleys. „Ich habe mir jedes Mal gewünscht, einmal selbst gegen Sunderland zu spielen“, sagt er. Jetzt schoss er ihnen den Kopf ab – und durfte vor dem Block mit 8.000 Valiants jubeln, während 2.000 Black Cats verstummten.

Die Engländer sprechen bereits vom „Waine-Wonder-Run“. Liverpool, Arsenal, City, Chelsea, Leeds warten im Lostopf. Wer auch immer kommt: Vale hat nichts zu verlieren, außer vielleicht den Abstieg. Denn wenn die Pokal-Party endet, wartet ein 11-Punkte-Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz. Drei Spiele hat Vale noch in der Hinterhand, doch der Zeitplan ist gnadenlos.

Die Moral von der Geschichte? Manchmal reicht ein einziger Kopfball, um einen Idolbrief zu bekommen – und die eigene Karriere auf einen Schlag in die Höhe zu katapultieren. Waine trägt weiter das Stirnband, das ihn wie ein jüngerer Shearer wirken lässt. Der echte Shearer hat bereits angekündigt, im Viertelfinale live dabei zu sein. Waine lacht: „Dann muss ich wohl wieder köpfen.“ Die Liga kann warten. Das Märchen läuft noch.