Wollitz zündet pulverfass: cottbus stolpert mit notelf nach aachen

Claus-Dieter Wollitz schnauzte die Reporter an, seine Stimme schrappte über die Mikrofone: „Ich erkläre Fakten, keine Kritik!“ Sekunden später lieferte er selbst die Munition für die nächsten Schlagzeilen – eine Notstandsmeldung, die den FC Energie Cottbus vor dem Auswärtsspiel in Aachen beinahe entkräftet.

Seit zehn Partien ist Cottbus ungeschlagen, doch das 0:0 gegen Hansa Rostock kostet jetzt richtig Geld: Tolga Cigerci droht mit einem Faserriss vier Wochen auszufallen, Mittelfeldmotor Lukas Michelbrink fehlt wegen Gelb-Rot, und Dominik Pelivan kann höchstens mit Schmerztabletten laufen. „Fifty-fifty“, sagt Wollitz und klingt dabei, als hätte er schon verloren.

„Habe gegen meine überzeugung gespielt“ – wollitz bereut cigerci-einsatz

Der Trainer gab zu, den 33-jährigen Cigerci nur auf Druck von außen in die Startelf geschoben zu haben. Die Rechnung ging nicht auf: MRT-Bilder zeigen einen kleinen Faserriss, das Mittelfeld verliert damit seine täuschende Ruhe. „Ich wollte ihm Vertrauen schenken, aber der Körper hatte andere Pläne“, sagt Wollitz und klingt erstmals in dieser Saison leise.

Die Kaderlücke wird zur Kluft. Ohne Cigercis Ballverteilung, ohne Michelbrinks Ballsicherheit und mit Pelivans Hüftschmerz muss Cottbus in Aachen auf Bollwerk und Ballsicherheit verzichten. King Manu, eigentlich Abwehr-Notnagel, meldete sich mit Fieber ab – „grippaler Infekt, fällt flach“, sagt Wollitz knapp.

Alemannia wartet mit drei-spiele-sieg-serie im tivoli

Alemannia wartet mit drei-spiele-sieg-serie im tivoli

Die Alemannia selbst ist kein Geschenk. Dreimal in Folge blieb Aachen daheim unbesiegt, zuletzt zerlegte der Tabellen-Sechste MSV Duisburg mit 4:1. Cottbus braucht Punkte, um Anschluss an die Aufstiegsplätze zu halten, muss aber auf seine Drehkreise verzichten.

Wollitz fordert nicht nur frische Beine, sondern einen neuen Kopf. „Wir brauchen mehr intensive Läufe, mehr Sprintmeter – und das nicht einmal, sondern dauernd“, polterte er und schlug dabei mit der flachen Hand auf das Pult. Die Rostocker-Partie habe „die Intensität eines Freitag-Nachmittag-Kickes“ gezeigt, sagt der Coach, der seine Spieler in die Wand redet.

Butler und biankadi stehen auf der abschussliste

Butler und biankadi stehen auf der abschussliste

Die nächste Bombe zündete Wollitz mit Namen: Justin Butler und Merveille Biankadi kamen „ein Stück zu wenig“, sagt er und meinte damit Laufbereitschaft wie Zweikampfquote. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, schnappte er: „Enttäuschung ist kein Fachbegriff, das ist ein Gefühl. Ich zähle Sprintstatistiken.“

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Ohne Cigerci, Michelbrink und möglicherweise Pelivan hat Cottbus in der Rückrunde noch kein Auswärtsspiel gewonnen. Die Tabelle lügt nicht, die Zahlen schreien nach Lösungen. Wollitz schickt seine Mannschaft trotzdem nach Aachen – mit einer Mischung aus Ersatzbank und Ersatzspieler, die sich selbst überraschen muss.

Am Freitagabend um 19 Uhr steht Cottbus also mit improvisierter Sechserkette im Tivoli. Die Fans hoffen auf Punkte, der Trainer auf ein Wunder – und die Reporter wissen schon jetzt: Wenn Wollitz wieder vom „Fakt“ spricht, meint er „Feuer“.