Vinícius trifft doppelt, neymar feiert comeback – brasilien tanzt ins achtelfinale

Keine fünf Minuten waren gespielt, da lag der Ball schon im Netz. Vinícius Junior jagte ihn aus sieben Metern rein, und 20.000 Brasilianer im Hard Rock Stadium verwandelten Miami in ein offenes Copacabana. 3:0 gegen Schottland, Gruppensieg, Neymar wieder auf dem Rasen – das Viertelstündchen brannte der Rekordweltmeister die Nacht zum Tag.

Ein patzer, zwei tore, party pur

Scott McKennas Fehlpass in der siebten Minute war so unvermittelt, dass selbst Rayan den Ball noch vor der Mittellinie abfangen konnte. Ein einziger Steilpass, ein einziger Kontakt – schon stand Vinícius frei und beendete die Diskussion. Die Schotten spielten sich zwar in die Zweikämpfe, aber jedes Mal, wenn Guimarães und Paquetá aus der Drehung kamen, wurde die Hintermannschaft dünner. Kurz vor der Pause stieg Vinícius erneut – Kopfball, 2:0, Pausenpfiff. Das Spiel war gelaufen, bevor die Tartan Army ihr zweites Lied anstimmen konnte.

Auch nach dem Seitenwechsel suchte Schottland die Offensive, doch wer vorne investiert, verliert hinten Meter. Nach einer Ecke brach Guimarães alle Linien, Cunha nahm den Ball mit, schob ihn flach ins lange Eck – und servierte seinen Surfer-Jubel dem Block Süd. Drei Zähler, sieben Tore, null Gegentreffer: Brasilien marschiert mit dem Schwung des Turnierfavoriten ins Achtelfinale.

Neymar kehrt zurück – und bringt das stadion zum kochen

Neymar kehrt zurück – und bringt das stadion zum kochen

In der 76. Minute wurde es laut. „Ney-mar! Ney-mar!“ donnerte durch die Nacht, und Carlo Ancelotti gehorchte. Der Superstar, zuletzt von einer Wadenblessur gebremst, trat für knapp 15 Minuten ein, berührte den Ball achtmal, zauberte einmal – und hatte schon mehr Strahlkraft als andere über neunzig Minuten. Die Fans sangen, die Kameras zoomten, die Gegner wichen reflexartig zurück. Es war nur ein Kurzeinsatz, aber das Signal war klar: Brasilien kann seine Königswaffe jetzt wieder laden.

Schottland zittert – und schaut nach algerien

Die Bravehearts dürfen noch nicht in den Urlaub. Mit drei Punkten und einem Torverhältnis von 4:3 hängt ihr Weiterkommen an fremden Schützenhilfen. Sie brauchen, dass mindestens zwei der Gruppendritten Algerien, Ghana und Südkorea schlechter abschneiden. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: seit 1998 hat nur ein Team mit drei Punkten das Achtelfinale verpasst, aber Schottlands Torverhältnis ist dünn. Gerard Butler, der Superfan in der achten Reihe, schluckte sichtlich, als die Schlusssirene ertönte.

Brasilien wartet nun auf den Zweiten der Gruppe F. Die Möglichkeiten reichen von den Niederlanden über Japan bis Schweden – alles Gegner, gegen die die Seleção in der Vergangenheit Hochs und Tiefs erlebte. Eines aber ist sicher: nach dem dritten Sieg im dritten Spiel, nach dem zweiten Doppelpack von Vinícius und nach dem ersten Auftritt von Neymar ist der Titeltraum nicht nur am Leben – er hat sich in Miami greifbar gemacht.