Runen-trikots bei der wm: verwirrung statt heldentum?
Die norwegische Fußball-Nationalmannschaft sorgt bei der WM für Aufsehen – und nicht nur durch sportliche Leistungen. Die Trikots, deren Schriftzüge an alte Runen erinnern, sind bei Zuschauern und sogar bei Spielern für Verwirrung und Lesbarkeitsprobleme zu einem wahren Stolperstein geworden.
Verwirrung in der tv-zuschauerschaft
Während die Spieler auf dem Platz kämpfen, kämpfen die Fans vor den Bildschirmen mit einem ganz anderen Problem: Können sie überhaupt erkennen, wer auf dem Platz steht? Die Nachnamen von Spielern wie Erling Haaland sind in einem runenartigen Stil aufgedruckt, der für viele Zuschauer kaum zu entziffern ist. Terje Andre Olsen vom norwegischen Blinden- und Sehbehindertenverband äußerte sich besorgt: „Viele von uns können die Nummern und die Namen nicht erkennen.“ Der Kontrast sei einfach nicht ausreichend.
Doch nicht nur sehbehinderte Zuschauer haben Probleme. Auch Gelegenheitszuschauer reiben sich bisweilen verwundert die Augen, wenn sie versuchen, die Namen auf der Rückseite der Trikots zu identifizieren. Das Design, das eigentlich eine Hommage an die Wikinger-Vergangenheit sein sollte, wirkt in der Praxis eher kontraproduktiv.

Spieler gewöhnen sich daran, fans lieben es
Die Spieler selbst mussten sich ebenfalls erst an die ungewöhnliche Schriftart gewöhnen. Der frühere Frankfurter Jens Petter Hauge beschrieb die anfängliche Herausforderung, räumte aber ein, dass die Trikots nun „verdammt cool“ aussehen. Das Urteil der internationalen Fans ist eindeutig positiver. Hollywood-Star Matthew McConaughey zeigte sich auf X begeistert und gestand, die Schriftart zu „lieben“.
Doch die Ästhetik allein kann die Lesbarkeit nicht ersetzen. Jonas Nordby, Experte des MIA Museums in Akershus, relativierte zwar, dass es sich nicht um echte Runen handele und fand die Schriftart „witzig“, räumte aber ein, dass nicht alle Buchstaben gleich gut gelungen seien.
Der norwegische Fußballverband ist sich der Probleme bewusst. Marketingchef Jan Ove Nystuen betonte, dass das Trikot von UEFA und FIFA abgenommen wurde. Die Runen sollen symbolisch für eine starke Verteidigung und einen furchteinflößenden Angriff stehen. Eine ironische Wendung der Geschichte: „So lange wir gewinnen“, schmunzelte Blindenverbandschef Olsen, „ist das Trikot auch nicht so entscheidend.“
Die Debatte um die Lesbarkeit der Trikots zeigt, dass Design und Funktionalität nicht immer Hand in Hand gehen. Während die norwegische Nationalmannschaft auf dem Feld alles gibt, bleibt abzuwarten, ob das ungewöhnliche Trikotdesign letztendlich eher als Marketing-Gag oder als echtes Hindernis in Erinnerung bleibt. Die Zuschauerzahlen werden es zeigen – oder eben nicht.
