Rassismus im fußball 2025: trotz kampagnen weiterhin präsent

Rassismus im fußball: ein hartnäckiges problem

Trotz zahlreicher Kampagnen und Aktionen bleibt das Thema Rassismus im Fußball alarmierend präsent. Professor Aladin El-Mafaalani, ein Experte für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund, analysierte die aktuelle Situation im November 2025 im Gespräch mit dem Kicker. Der Vorfall bei der Partie zwischen 1860 München und Energie Cottbus, bei dem Gästespieler Justin Butler rassistisch beleidigt wurde, ist nur ein aktuelles Beispiel für ein tiefgreifendes Problem.

Zunahme rassistischer vorfälle

Zunahme rassistischer vorfälle

Die Situation scheint sich sogar zu verschärfen, obwohl die grundsätzliche Einstellung der Bevölkerung gegenüber Rassismus sich in den letzten 20 bis 25 Jahren kaum verändert hat. Laut Professor El-Mafaalani hat die Zunahme rassistischer Äußerungen in den letzten Jahren mit dem Aufstieg rechtsextremistischer Parteien wie der AfD zu tun. Die Radikalen werden radikaler, ohne dass die Zahl derer, die rassistisch denken, signifikant gestiegen ist.

Persönliche erfahrungen und beobachtungen

Persönliche erfahrungen und beobachtungen

Aladin El-Mafaalani selbst hat in seiner Jugend in den 80er und 90er Jahren Rassismus erfahren, jedoch kaum noch in den letzten Jahren. Seine Beobachtungen in Dortmund zeigen, dass sich die Lage tendenziell zum Besseren entwickelt hat, auch wenn das Problem weiterhin besteht. Er betont, dass Rassismus ein komplexes Phänomen ist, das durch Kategorisierung und Vorurteile entsteht.

Ursachen von rassismus: kategorisierung und denkfaulheit

Ursachen von rassismus: kategorisierung und denkfaulheit

Wir Menschen neigen dazu, Kategorien zu bilden, insbesondere nach Geschlecht, Hautton und Herkunft. Das an sich ist kein Problem. Problematisch wird es, wenn von diesen Merkmalen auf Ursachen für bestimmte Probleme geschlossen wird. Dies zeugt entweder von ausgeprägten Vorurteilen oder von Denkfaulheit. Professor El-Mafaalani erklärt, dass der Hautton lediglich eine Regulierung des Vitaminhaushalts ist und dass Rassismus seit Jahrhunderten existiert.

Reaktionen auf rassismus: die bedeutung des umgangs

Reaktionen auf rassismus: die bedeutung des umgangs

Der Professor betont, dass es weniger darum geht, Rassismus zu empfinden, sondern darum, wie andere Zuschauer, Vereine und die Medien darauf reagieren. Die Erfahrung zeigt, dass viele schwarze Spieler bereits rassistische Beleidigungen erlebt haben. Entscheidend ist die Art und Weise, wie auf Rassismus reagiert wird. Eine „falsche“ Reaktion kann das Problem verstärken. Das Unterbrechen, aber nicht Abbrechen, eines Spiels bei rassistischen Beleidigungen, wie im Fall 1860 gegen Cottbus, wird in Frage gestellt.

Strafen und bewusstseinsbildung

Strafen und bewusstseinsbildung

Die Frage nach angemessenen Strafen, bis hin zu Punktabzug oder Liga-Ausschluss, wird diskutiert. Professor El-Mafaalani betont, dass die aktive Beteiligung der Fans wichtig ist, da sie eine größere Wirkung haben kann als juristische Sanktionen. Die Rufe „Nazis raus“ in Potsdam werden als positive Reaktion hervorgehoben. Allerdings schweigen viele Fans weiterhin, was die Tendenz verstärkt. Eine sensibilisierte Gesellschaft muss aktiv gegen rassistische Äußerungen vorgehen.

Bildung als schlüssel zur bekämpfung von rassismus

Rassismus korreliert oft mit dem Bildungsniveau, allerdings ist dies nicht der einzige Faktor. Menschen, die sich rassistisch äußern, sind sich oft bewusst, dass sie eine Grenze überschreiten. Die Bekämpfung von Vorurteilen muss bereits in Schulen, Kitas und Vereinen beginnen, um die Betroffenen zu stärken und ihnen eine Stimme zu geben. Antirassismus ist eine Daueraufgabe, vergleichbar mit der Gleichstellung von Frauen.

Die grenzen von kampagnen

Kampagnen wie „Mein Freund ist Ausländer“ oder „Rot gegen Rassismus“ sind sinnvoll, dürfen aber nicht als kurzfristige Projekte betrachtet werden. Oftmals erhalten Einrichtungen ein Siegel für ihr Engagement, ohne dass danach weitere Maßnahmen ergriffen werden. Die Aussage des Bundeskanzlers Friedrich Merz zur „Stadtbild“-Problematik erschwert den Befriedungsprozess, da sie eine Rückkehr zu alten Denkmustern signalisiert.