Odermatt jagt die vierte kugel – und lässt sich nicht bremsen
Marco Odermatt spürt den Atem von Lucas Braathen im Nacken, aber er lässt sich nicht verschieben. Nach der Absage des zweiten Super-G in Courchevel ist dem Nidwaldner die kleine Kugel sicher, die grosse sowieso, und trotzdem wird er in Hafjell nichts aussparen. Drei Kristallkugeln schon in der Tasche, die vierte liegt bereit – und er greift zu.
Die Rechnung ist denkbar knapp. Vor dem Riesenslalom-Finale führt Odermatt mit 48 Punkten Vorsprung. Gewinnt Braathen, muss Odermatt mindestens Dritter werden. Kein Spiel mit dem Feuer, sondern ein Showdown auf Kante genäht. „Wir verzichten auf kein Rennen“, sagt Helmut Krug, Riesenslalom-Chef von Swiss-Ski. „Marco hat genug Benzin im Tank.“

Kein training mehr auf samba-schnee
Die grösste Unbekannte heisst April. Der Frühlingsschnee in Kranjska Gora verwandelte die Piste in ein Samba-Parquet – Braathen tanzte, Odermatt rutschte. Jetzt hofft das Team auf Minusgrade in Lillehammer, damit die Kanten wieder beißen und nicht gleiten. Ein einziges Training könnte Odermatt in Kvitfjell sausen lassen, mehr nicht. „Kein Thema“, sagt Krug, „aber wir schliessen nichts aus.“
Die Drohung kommt nicht von aussen, sondern von oben: Wetter, Schnee, Thermik. Odermatt aber hat sich schon oft bewiesen, dass er auch auf weichem Belag nicht weich wird. Fünf Mal Gesamtweltcup, drei Kugeln sicher, und jetzt die vierte – das wäre Geschichte, nicht nur Statistik.
Am Samstag in Hafjell geht’s los. Kein Verzicht, kein Rechen, nur Ski, Kante, Tempo. Wer dann noch zögert, verliert. Odermatt wird nicht zögern.
