Milano-cortina 2026: paralympics beginnt mit rekord-team und heißem zyper-eis
Andrew Parsons hat sie schon jetzt „Triumph der Menschlichkeit“ genannt – und das, obwohl die ersten Scheiben erst morgen über das Eis jagen. Die Paralympics in Milano-Cortina starten mit der größten italienischen Delegation aller Zeiten: 42 Athleten und Athletinnen, 12 Debütanten, drei Führungen – und einem Programm, das selbst Olympia erblasst lässt.
Die zahlen, die den mund trocken machen
665 Sportler aus gut 50 Nationen buhlen um 79 Medaillen – das ist kein Rahmen, das ist ein Pulverfass. Dazu die Rückkehr von Russland und Belarus, sechs plus vier Lizenzen, kontrovers beschlossen, lautstark kommentiert. Parsons selbst ließ keinen Zweifel: „Wir feiern Vielfalt, nicht Vetternwirtschaft.“ Die Arena Santagulia wird zum Brennpunkt, wenn das para-eishockey-Team von Tiziana Nasis Erbe antritt – Viertelfinalist 2018, Fünfter 2022, heute mit Gold im Visier.
Draußen auf den Tofane-Pisten wartet der nächste Knall. Ski alpin, drei Kategorien, sitzend, stehend, blind – und dazwischen ein Rechenfaktor, der über Sieg oder Absturz entscheidet. Wer 100 Stundenkilometer mit nur einem Ski unter sich spürt, weiß: Ein Zehntel kann reichen, um in die Bande zu fliegen. Das para-snowboard leuchtet in Neon, das Biathlon-Gewehr tickt mit Laserton – und wer denkt, Curling sei langweilig, hat noch nie einen Extender gesehen, der 20 kg Stein millimetergenau ins Haus legt.

Stars, die keine gnade kennen
Oksana Masters reist mit 19 Medaillen an – 14 davon aus Winterspielen. Geboren im Schatten von Tschernobyl, adoptiert in Kentucky, dominiert sie heute Langlauf und Biathlon wie kaum eine andere. Ihre Konkurrentin Carina Edlinger schmückte 2022 ihren Blindenführer-Hund Riley mit Gold – wer weiß, ob Riley 2026 wieder glänzt. Im Sit-Ski wartet Renè De Silvestro auf den Norweger Jesper Pedersen, der in Peking vier Mal oben stand. Declan Farmer, der Michael Jordan des Para-Ice-Hockey, will mit den USA den vierten Olympiasieg nacheinander – und das, obwohl er beide Beine oberhalb der Knie verloren hat.
Die Italiener haben ihre Hausaufgaben gemacht. Giacomo Bertagnolli bringt schon acht Medaillen mit, vier davon Gold – und das mit 23 Jahren. Chiara Mazzel und Martina Vozza schießen mit Guide Ylenia Sabidussi um Hundertstel. Die Dynastie Aiger aus Österreich – Johannes, Barbara, Veronika – reist mit neun Medaillen im Familiengepäck an. Elisabeth, die älteste, führt als Guide – ein Geschwister-Quartett, das Medaillen sammelt wie andere Postkarten.
Zum 50. Geburtstag der Winter-Paralympics kehrt Italien an den Startort der ersten Spiele zurück – und doch ist nichts wie 1976 in Örnsköldsvik. Technik, Training, Tempo: alles schneller, alles härter. Die Fackel brennt auf dem Mailänder Domplatz, das Feuer ist entzündet. Parsons hat recht: Es wird ein Fest der Menschlichkeit – aber nur für die, die bereit sind, sich auf 220 Kilometer Strecke, sechs Sportarten und einen einzigen Gedanken zu stürzen: Weiter, schneller, unerbittlich.
