Konflikte zwischen fans und polizei: ein neuer ansatz zur deeskalation
- Konflikte zwischen fans und polizei: ein neuer ansatz zur deeskalation
- Das projekt fapo: mehr als nur krisenmanagement
- Der fokus liegt auf der konfliktbearbeitung, nicht nur der lösung
- Machtdynamiken verstehen und hinterfragen
- Von der handballfamilie zur fankurve: moldenhauers persönlicher hintergrund
- Gewalt ist situativ: ein umdenken in der forschung
- Eine beziehung ohne machtmissbrauch anstreben
Konflikte zwischen fans und polizei: ein neuer ansatz zur deeskalation
Stephanie Moldenhauer, Diplom-Soziologin, arbeitet bei der „Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit“ (KoFaS) an dem Projekt „Fans und Polizei: Konflikte transformieren“ (FaPo). Ihr Ziel ist es, die komplexen Dynamiken zwischen Fußballfans und Polizeikräften besser zu verstehen und nachhaltige Lösungen für Konflikte zu entwickeln. Im Gespräch mit uns betont sie die Notwendigkeit, über kurzfristige Maßnahmen hinauszugehen.
Das projekt fapo: mehr als nur krisenmanagement
„Unser Ziel ist, die Konfliktlinien zwischen Fußballfans und Polizei von Grund auf zu verstehen – und wirklich zu verstehen, was dahintersteckt“, erklärt Moldenhauer. Sie weist darauf hin, dass das Thema in den letzten Jahren immer wieder in den Fokus gerückt ist, jedoch oft nur kurzfristige Projekte initiiert wurden, die dann wieder versandeten. FaPo möchte diesen Kreislauf durchbrechen und eine nachhaltige Wirkung erzielen.

Der fokus liegt auf der konfliktbearbeitung, nicht nur der lösung
Moldenhauer betont, dass es nicht immer um die Suche nach einer direkten Lösung geht. Vielmehr stehe die Konfliktbearbeitung im Vordergrund. „Ich höre mir beide Seiten erstmal an“, so die Soziologin. Dieser Prozess der Abwägung soll zu fundierten Entscheidungen führen, wobei die Rolle von Machtverhältnissen stets berücksichtigt werden muss. Sie erklärt, dass Aushandlungsprozesse selten auf Augenhöhe stattfinden, insbesondere im Verhältnis zwischen Polizei und Fans.

Machtdynamiken verstehen und hinterfragen
Eine zentrale Frage, die Moldenhauer immer wieder stellt, ist: „Wer wird gehört? Wer bekommt eine Plattform, um die eigene Sicht auf die Dinge wiederzugeben?“ Die Geschichte eines Konfliktes spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da sie Aufschluss über die zugrunde liegenden Ursachen und Mechanismen geben kann. Das Verständnis der Vergangenheit hilft, Handlungen im gegenwärtigen Kontext zu interpretieren.

Von der handballfamilie zur fankurve: moldenhauers persönlicher hintergrund
Moldenhauers eigenes Interesse am Fußball wurde vor etwa zwanzig Jahren geweckt. Obwohl in einer Handball-Familie aufgewachsen, führte sie ihr Studium in Bielefeld ins Stadion der Arminia. Ihre Forschung konzentriert sich auf Aushandlungsprozesse in konfliktiven Situationen, ursprünglich im schulischen Kontext. Sie erkannte jedoch schnell die Parallelen zwischen Schulhof und Fankurve und die vergleichbaren Mechanismen in beiden Bereichen.
Gewalt ist situativ: ein umdenken in der forschung
Moldenhauer stellt gängige Fragestellungen gerne auf den Kopf. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass Gewalt situativ ist und nicht ständig präsent ist. Statt sich auf diejenigen zu konzentrieren, die Gewalt ausüben, untersucht sie, warum manche junge Menschen trotz gewalttätiger Prägung keine Gewalt anwenden. Dabei spielt kognitive Empathie, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, eine größere Rolle als emotionale.
Eine beziehung ohne machtmissbrauch anstreben
Das Ziel im Fußball, so Moldenhauer, müsse sein, Machtverhältnisse wertfrei anzuerkennen und dann zu hinterfragen, ob diese Beziehungen wirklich vollständig durch Macht bestimmen müssen. Ihre Antwort ist ein klares Nein. Stattdessen soll eine Beziehung ohne Machtmissbrauch erreicht werden – keine leichte Aufgabe, aber eine lohnende. Eine Herausforderung, die es wert ist, angenommen zu werden, um ein nachhaltig friedliches Miteinander zu fördern.
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