Kolonialkrieg in äthiopien: eine reise in die vergangenheit
Die italienische Kolonialherrschaft in Eritrea und Äthiopien ist ein dunkles Kapitel der europäischen Geschichte, das nun in einer zweigeteilten Dokumentation beleuchtet wird. Unter der Nachfolge von Indro Montanelli reist die Sendung zu den Schauplätzen des Kolonialkrieges und enthüllt die brutale Realität der italienischen Expansion in Afrika.
Ein kaiserreich aus propaganda und gewalt
Die erste Folge beginnt im Mai 1936, als Mussolini vom Balkon des Palazzo Venezia die Geburtsstunde des italienischen Reiches verkündet – nach der Eroberung von Addis Abeba. Die Dokumentation zeichnet ein düsteres Bild der militärischen Kampagne, die von den Schlachten von Adua und Dogali bis hin zur gezielten Manipulation der öffentlichen Meinung durch faschistische Propaganda reicht. Die blutige Unterdrückung der Bevölkerung, die Praxis des madamato, der Einsatz von Giftgas und die systematischen Gewalttaten werden ungeschönt dargestellt.
Doch was viele vergessen haben: Die italienische Expansion war nicht nur ein militärisches Unterfangen. Es war eine ideologische Mission, die auf der rassistischen Überlegenheit des weißen Mannes basierte. Die Propaganda der damaligen Zeit verherrlichte den Kolonialismus als zivilisatorische Aufgabe, während die Realität für die äthiopische Bevölkerung von Unterdrückung und Leid geprägt war.

Zeugnisse aus erster hand und historische orte
Die Sendung stützt sich auf Interviews mit Experten wie dem Regisseur Luca Guadagnino, dem Journalisten Marco Travaglio, den Schriftstellerinnen Dacia Maraini und Igiaba Scego, die den historischen, kulturellen und politischen Kontext der Ereignisse beleuchten. Die Reporter Raffaele Di Placido und Claudia Benassi besuchen Schlüsselorte, darunter das Palazzo Carignano in Turin, die Piazza Montecitorio und Piazza del Popolo in Rom, Grazzano Badoglio, das Museo Storico dell’Aeronautica Militare di Vigna di Valle, das Galata Museo del Mare in Genua, den Altar der Patria, das Museo delle Civiltà und das Istituto Centrale per i Beni Sonori e Audiovisivi, wo die erste Aufnahme von „Faccetta Nera“ aufbewahrt wird – ein Lied, das die koloniale Ideologie seiner Zeit widerspiegelt.

Die zweite folge: vom amba aradam bis zum zweiten weltkrieg
Die zweiteilige Dokumentation setzt ihre Reise fort und beleuchtet die Schlacht von Amba Aradam sowie den weiteren Verlauf des Kolonialkriegs bis zum Zweiten Weltkrieg und dem letztendlichen Zusammenbruch des italienischen Reiches. Es ist eine Geschichte von Ehrgeiz, Gewalt und letztendlicher Niederlage, die uns dazu zwingt, unsere eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen und die langfristigen Folgen des Kolonialismus zu erkennen.
Die Sendung ist mehr als nur eine historische Dokumentation. Sie ist eine Mahnung, die uns daran erinnert, dass die Vergangenheit niemals vergessen werden darf, um die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft gerechter zu gestalten.
