Iran kämpft sich unentschieden gegen neuseeland – proteste überschatten das debüt
Los Angeles bebte, aber nicht nur vor Begeisterung. Das Team Melli, die Nationalmannschaft des Iran, erreichte beim WM-Auftakt ein hart erkämpftes 2:2 gegen Neuseeland, doch die politische Brisanz des Spiels überschattete den sportlichen Aspekt. Pfiffe, historische Flaggen und eine kurzfristige Verlegung des Mannschaftsquartiers – die Umstände waren alles andere als ideal.

Ein auftakt voller turbulenzen
Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung angespannt. Im SoFi Stadium, vor einer überwiegend iranischen Fanschare, wurden Proteste gegen das Regime in Teheran laut. Exiliraner zeigten verbotene historische Flaggen mit Löwen und Sonne, ein Symbol der iranischen Monarchie vor der Islamischen Revolution von 1979. Die FIFA hatte zwar das Zeigen dieser Flaggen untersagt, doch die Botschaft der Unzufriedenheit war unübersehbar. Die Pfiffe bei der Nationalhymne verdeutlichten die tiefe politische Spaltung, die das Team Melli begleitete.
Trainer Ali Ghalenoei hatte vor dem Spiel betont, dass seine Mannschaft sich auf den Fußball konzentrieren wolle. „Wir sind hier, um Fußball zu spielen. Wir sind keine politischen Figuren“, erklärte er. Doch die Realität sah anders aus. Neuseeland, das bei der WM 2010 ungeschlagen blieb, ging durch Elijah Just früh in Führung (7.). Just traf erneut (55.) und schien das Spiel zu entscheiden, doch der Iran zeigte Moral und kämpfte zurück.
Ramin Rezaeian (32.) gelang der Ausgleich, und Mohammad Mohebi (65.) stellte den Spielstand wieder her. Eine kurzzeitige La-Ola-Welle durch das Stadion unterstrich die Hoffnung der Fans, die trotz der schwierigen Umstände ihr Team lautstark unterstützten. Ein Treffer von Ali Nemati wurde aufgrund einer Abseitsposition nicht gegeben, was die Enttäuschung auf der Tribüne deutlich machte.
Mehdi Taremi, der Starstürmer des Iran, traf in der 23. Minute zwar den Pfosten, doch die Iraner hätten ihre Überlegenheit besser in Tore ummünzen müssen. Die Abwehr ließ Just zu viel Raum, was die schnelle Führung Neuseelands begünstigte. Die Tatsache, dass Neuseeland trotz der Bemühungen des Iran einen Punkt mitnehmen konnte, zeugt von ihrer defensiven Stabilität.
Die Gruppe G verspricht Spannung. Das Unentschieden zwischen dem Iran und Belgien (ebenfalls 1:1) lässt alle Teams mit Chancen auf den Einzug in die K.o.-Phase. Die kommenden Spiele gegen Belgien und Ägypten werden entscheidend sein, um das Ziel, die K.o.-Runde zu erreichen, zu verwirklichen. Für Neuseeland hingegen geht die Suche nach dem ersten WM-Sieg weiter – eine Suche, die seit 2010 andauert.
Die kurzfristige Verlegung des Mannschaftsquartiers nach Tijuana, Mexiko, die Visumsverweigerung für 15 Delegationsmitglieder und der Entzug von Eintrittskarten sind weitere Hindernisse, mit denen der Iran auf dem Weg zu dieser WM zu kämpfen hatte. Doch das Team Melli hat bewiesen, dass es auch unter schwierigsten Bedingungen bestehen kann – ein Zeichen des iranischen Sports, der trotz politischer Turbulenzen seinen Weg geht. Die Leistung im ersten Spiel zeigt, dass der Iran ein ernstzunehmender Gegner in dieser WM sein könnte, auch wenn der Weg noch lang ist.
