Herzog jagt den 108-tage-fluch: tor gegen künftigen club löst evz-offensive aus

Fabrice Herzog schoss nicht nur den Puck, er schoss sich selbst aus der Hölle. 108 Tage, 26 Partien, ein Kreuzband und ein Rücken voller Zweifel – weg, alles weg, mit einem Handgelenksschlag beim 5:2 der Zuger gegen jene Lakers, die er ab Sommer seine Teamkollegen nennt.

Der treffer fiel in der 32. minute – und war nur halb so wichtig wie das, was danach geschah

Plötzlich roch die Bossard Arena wieder nach Toren. Vier Treffer in einem Spiel – das hatte EV Zug zuletzt am 19. Dezember geschafft, als die NL noch in Weihnachtspause dachte. Nun jagt der Meister die Playoff-Tickets mit dem Selbstvertrauen eines Teams, das weiß: Selbst wenn unsere Top-Linie schweigt, haben wir einen Herzog, der wieder beißen kann.

Trainer Benoît Groulx ließ den Stürmer trotz magerer Regular-Season-Bilanz (3 Tore, 5 Assists) nie aus der Reihe mit Jan Kovar und Dominik Kubalik fallen. „Er arbeitet wie ein Tier“, sagt Groulx, „Tore sind nur die Kirsche auf dem Eis.“ Die Kirsche war bitter nötig. Herzog hatte sich in den letzten Monaten mehr mit Physiotherapeuten als mit Torhütern beschäftigt. Eine Rückenverletzung nagte an seiner Wirbelsäule – und an seinem Selbstbild. „Als Stürmer willst du Tore schießen, sonst fühlst du dich nackt“, gibt er nach dem Spiel offen zu.

Der evz plant ohne ihn, er plant mit sich selbst

Der evz plant ohne ihn, er plant mit sich selbst

Die Tatsache, dass der Klub ihn nach der Saison ziehen lässt, hatte Herzog nicht lahmgelegt, aber gebremst. „So ein Schlag ins Gesicht kann dich entweder klein machen oder wach“, sagt er. Gegen Rapperswil wählte er Option zwei. Sein Wechsel zu den Lakers ist fix, doch vor dem Rückspiel am Samstag warnt er: „Verträge gelten ab Juli. Jetzt trage ich noch das Zuger Wappen – und wir reisen nicht nach Rapperswil, um Freundschaftsspiele zu machen.“

Die Zahlen sprechen für sich: Seit seinem letzten Treffer am 20. Dezember hatte Herzog 42 Schüsse abgegeben, 21 davon blockiert, 17 vom Torhüter gefangen, vier über das Plexiglas geflogen. Der 42. war der Punch. Mit 31 Jahren und drei operierten Bandscheiben könnte er sich auf eine Rolle als Check-Forward versteift haben. Stattdessen steht er wieder vor dem Netz, wo er hingehört.

EV Zug gewinnt die Play-In-Hinserie mit 1:0, aber die echte Serie beginnt erst. Die Lakers werden aufdrehen, die Scheibe wird durch die Gegend flitzen, und irgendwann wird wieder ein Stürmer vor dem Tor stehen – vielleicht derselbe, der heute noch die Zuger Anhänger jubeln ließ. Dann zählt nur eins: Wer trifft zuerst, fliegt später. Herzog hat seinen Fluch abgeschossen, jetzt darf er mit dem neuen Klub ankommen – ohne Rücken, aber mit Rückenwind.