Extremsportler saatci: 96-stunden-challenge bricht ihn fast
Berlin – Arda Saatci, der deutsche Extremsportler mit türkischen Wurzeln, stand kurz vor dem Zusammenbruch. Sein ambitioniertes Ziel, innerhalb von 96 Stunden mehr als 600 Kilometer vom Death Valley nach Los Angeles zurückzulegen, scheiterte knapp – eine Erfahrung, die ihn emotional tiefgreifend traf, wie er nun im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ enthüllte.
Die mentale zäsur nach dem scheitern
Die Challenge, eine Strecke, die über 14 Marathons in vier Tagen entspricht, forderte Saatci in mehrfacher Hinsicht. Die extreme Hitze, der Schlafmangel und die körperliche Belastung setzten ihn an den Rand seiner Kräfte. Doch es war nicht nur die körperliche Erschöpfung, die ihn so schwer traf, sondern vor allem die Erkenntnis, dass er sein Ziel verfehlt hatte. „Erstmal war die Frage an mich: Warum hat es nicht funktioniert?“, so Saatci im Podcast. „Dann fängt man an, an sich selbst zu zweifeln.“
Die Zweifel nagten an ihm, doch er versuchte, die Situation rational zu analysieren. „Man reflektiert und sagt: Okay, eigentlich hast du alles gegeben. Ich hätte den Berg hoch sprinten können, aber was wäre danach passiert? Dann wären meine Beine vielleicht komplett zu gewesen und ich wäre nicht bis zu den 600 Kilometern gekommen.“ Dieser innere Dialog, die Abwägung aller Faktoren, konnte die Enttäuschung jedoch nicht verhindern. „In dem Moment ist in meinem Kopf eine Welt zusammengebrochen“, gestand Saatci ehrlich.
Ein Team im Rücken, ein Sportler allein
Besonders schmerzhaft war für Saatci, dass er sein Team im Stich gelassen fühlte. „Mein Hintergrundbild über mehrere Monate waren 600 Kilometer in unter 96 Stunden. Diese 96 Stunden waren so manifestiert gewesen, so eingebrannt gewesen – mein ganzes Team hat auf die Minute, auf die Sekunde alles gegeben. Sie waren immer da und haben mir alles zugereicht. Und der einzige, der nicht in der Zeit war, war ich“, erklärte er mit Bedauern. Der Druck, den er sich selbst auferlegt hatte, und die Erwartungen seines Teams lasteten schwer auf ihm.
Die körperlichen Rückschläge setzten bereits nach rund 60 Stunden ein. Saatci verlor zunehmend die Kontrolle, begann zu torkeln und benötigte medizinische Hilfe. Trotzdem gab er nicht auf. „Nachdem ich diese Gedanken hatte, war mir schnell klar, dass ich es trotzdem zu Ende bringen werde“, betonte er. Ein Abbruch kam für ihn nie in Frage.

Ein leben voller stolpersteine: der rote faden
Saatcis Hartnäckigkeit ist kein Zufall. Er verweist auf seine schulische Laufbahn, in der er zweimal sitzen blieb. „Das ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben gezogen hat. Aber für mich war immer klar: Ich habe immer weiter gemacht, egal wie lange es gedauert hat.“ Diese Einstellung trug ihn auch durch die Challenge, die er letztendlich in 123 Stunden, 21 Minuten und 10 Sekunden beendete, wobei er insgesamt rund 604,6 Kilometer zurücklegte.
Am Ende standen nicht die Zahlen oder Rekorde im Vordergrund, sondern das Wiedersehen mit seiner Mutter, die extra aus Amerika eingeflogen war. „Ich konnte sie da nicht einfach sitzen lassen. Ich habe ihr versprochen, dass ich mit ihr am Muttertag ein Eis esse.“ So endete die Geschichte des „Cyborgs“ – nicht mit dem Triumph über die Zeit, sondern mit der Wärme der Familie, einem Beweis dafür, dass die größten Siege oft im persönlichen Bereich liegen.
