Dosb: lüke setzt sich für vielfalt ein – und kämpft gegen vorurteile

Katja Lüke, Diversity-Referentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), fordert mehr Engagement für Minderheiten im Sport. In einem Gespräch mit dem Podcast „Flutlicht an!“ betonte sie, dass Sport eine enorme Chance biete, gesellschaftliche Barrieren abzubauen und Inklusion zu fördern. Doch der Weg dorthin ist noch lang – und von Vorurteilen gepflastert.

Von inklusion zu intersektionalität: ein wandel im dosb

Lüke blickt auf elf Jahre Erfahrung im DOSB zurück, wobei ihr Fokus zunächst auf Inklusion lag. „Früher wurden die verschiedenen Diversitätsdimensionen wie Säulen behandelt – parallel, aber nicht vernetzt“, erinnert sie sich. Heute verfolgt der Verband einen intersektionalen Ansatz, der berücksichtigt, dass Menschen oft von mehreren Diskriminierungserfahrungen gleichzeitig betroffen sind. Eine queere Schwarze Frau beispielsweise erfährt Diskriminierung in mehrfacher Hinsicht als ein schwuler weißer Mann.

Für Lüke ist „Diversity“ vor allem ein Handlungsansatz. „Vielfalt ist keine Modeerscheinung, sondern eine Realität“, erklärt sie. Es gehe darum, „wie wir den Umgang finden, dass in dieser Vielfalt alle gut miteinander auskommen“. Dabei ist sie überzeugt: „Gemeinsam sind die vermeintlichen Minderheiten die Mehrheit.“

Mehr als nur ein rollstuhl: der kampf gegen schubladendenken

Mehr als nur ein rollstuhl: der kampf gegen schubladendenken

Lüke, die selbst im Rollstuhl sitzt, hat sich bewusst gegen eine rein inklusive Rolle entschieden. „Ich wollte nicht immer auf meine Behinderung reduziert werden“, so die Expertin. Sie möchte mehr sein als nur „die, mit der Behinderung, die über Behinderungen spricht“. Dennoch engagiert sie sich intensiv für die Rechte von Menschen mit Behinderung, wie ihre Mitarbeit an den „10 Knigge-Tipps zum respektvollen Umgang mit behinderten Menschen“ beweist. Wichtig sei dabei stets der individuelle Umgang mit den Themen.

Ein besonders amüsantes Beispiel: Lüke musste schon mehrfach erklären, dass ihre Behinderung kein „Smalltalk-Thema“ sei – eine Erfahrung, die sie auch bei wildfremden Menschen im Zug machen musste. Doch sie betont, dass es auch positive Begegnungen gibt, wie beispielsweise beim Rollstuhlfechten oder der „Sadler’s Ultra Challenge“, einem 426 Kilometer langen Handbike-Rennen durch Alaska, das sie mit einem Augenzwinkern als „Anstrengung“ bezeichnet.

Die Erfahrung mit ihrer Behinderung beschreibt Lüke als einen „Refresh“ nach dem ersten Schock. Sie lernte vieles neu und entdeckte die Freude am Sport. Doch das eigentliche Ziel ist klar: „Ich hoffe immer auf Begegnungen und Gemeinsamkeiten.“

Die Aufgabe, Brücken zu bauen, ist eine, die Lüke mit Nachdruck verfolgt. Und sie ist überzeugt, dass der Sport dabei eine entscheidende Rolle spielen kann – wenn man bereit ist, Vorurteile zu hinterfragen und Vielfalt als Chance zu begreifen.