Dfb-frauen patzen in ried: wück-anweisungen verpuffen!
Ried im Innkreis – Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat ein überraschendes Stolpern in der WM-Qualifikation erlebt. Das 0:0 gegen Österreich in einem Stadion, das eher an eine Kreisliga-Partie erinnerte, wirft Fragen auf und sorgt für angespannte Stimmung im Lager des DFB. Alles lief anders als erwartet – vom beschaulichen Rahmen bis zur erschreckend blassen Leistung auf dem Platz.
Die kulisse trügt: klein, aber oho?
50 Kilometer hinter Passau, in Ried im Innkreis, fand ein Duell statt, das eigentlich größer hätte sein müssen. Die 4300 Zuschauer füllten das Stadion zwar anständig, doch die gesamte Atmosphäre wirkte gedämpft. Die Mixed Zone, ein schmales Band zwischen Spielfeld und Kabine, unterstrich den improvisierten Charakter des Abends. Nach dem dominanten 5:1 in Nürnberg hatte man mit einem ähnlich deutlichen Sieg gerechnet, doch die Realität sah anders aus.
Die Fehlerkette ist alarmierend: Schon früh wurde deutlich, dass die DFB-Auswahl nicht ihr gewohntes Niveau erreichte. Das Passspiel war zu langsam, die Angriffsläufe ungestüm, und die Österreicherinnen konnten sich mühelos verschanzen. Über die Außenbahnen gelang kaum ein Durchbruch, die Mitte wurde vernachlässigt, und die Seitenverlagerungen fehlten. Nur zwei zaghafte Torchancen vor und nach der Pause zeigten, wie harmlos die deutsche Offensive wirkte. Kapitänin Janina Minge musste in der Schlussphase sogar eine Notbremse ziehen, um einen Konter zu verhindern – ein weiteres Zeichen der Verzweiflung.

Wücks wut: ein ventil oder ein problem?
Bundestrainer Christian Wück, der das Team bereits nach dem Nürnberg-Spiel für seine Leistung kritisiert hatte, zeigte sich in Ried zunehmend frustriert. Nach einer ruhigen ersten Halbzeit, in der er seine Mannschaft noch analysierte, tobte er ab der 46. Minute am Spielfeldrand. Schreiend, brüllend und hadernd versuchte er, seine Spielerinnen zu Höchstleistungen zu treiben. „Nein, ich wollte die Mannschaft unterstützen, sie antreiben“, erklärte er im Nachgang, betonte aber auch: „Wir konnten nicht umsetzen, was wir wollten.“
Die Spielerinnen räumten ein, die Qualität nicht aufs Feld gebracht zu haben. Sjoeke Nüsken sprach von fehlender Dynamik und Ballbesitz ohne Lösungen. Larissa Mühlhaus bemängelte das zu langsame Spiel, während Elisa Senß den Mangel an Tiefenläufen und Dynamik hervorhob. „Vielleicht tut die Niederlage auch gut“, meinte Nüsken, und betonte, dass das Team mit Wücks Ansprachen umgehen könne. Die Diskussion, ob der Trainer vielleicht zu hart sei, prallte jedoch noch ab. „Wir haben unsere eigenen Ansprüche, die sind genauso hoch, wie der Trainer sie haben möchte.“
Wück selbst betonte, dass er intern noch härter sei als nach außen. „Es gehört dazu, es ist unser Job.“ Doch er ließ auch erkennen, dass die Entwicklung nicht immer linear verläuft. „So eine Entwicklung geht nicht steil nach oben, das ist im normalen Leben so und im Fußball. Heute sind wir die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder nach unten gefallen, aber wir wollen weiter nach oben.“ Mit einem Zähler Vorsprung auf Norwegen vor dem entscheidenden Spiel in Köln ist der Druck jetzt hoch. Die Stille von Ried ist verflogen – die Aufgabe wartet.
