Kubala: vom hitler-ghetto zum camp-nou-mythos – ein leben zwischen furcht und faszination

László Kubala lief nicht nur mit dem Ball, er floh mit ihm. Vor den Pfeifen der Gestapo, vor den Granaten des Krieges, vor einem Leben, das ihm von Anfang an verbogen werden sollte. Doch der Junge aus den Budapester Gassen drehte sich nicht um – er dribbelte sich durch die Geschichte.

Ein flüchtling wird zur galionsfigur

1948 springt er in Triest von der Fracht „Mar del Norte“. Kein Visum, kein Club, nur ein Koffer voller Trikots und ein paar Ungarn, die an seinem Talent kleben bleiben wollen. Die FIFA sperrt ihn, Franco umarmt ihn. Im Estadio Chamartín brilliert er mit 25 Minuten, und 70.000 schreien sich heiser. Die Sperre? Geschichte. Kubala wird zum ersten Superstar des kalten Krieges – ein Mann, dem Diktatoren und Demokraten gleichermaßen applaudieren.

Barcelona baut ihm ein Stadion. Kubala baut Barcelona ein Imperium. Zwischen 1951 und 1953 gewinnt die Blaugrana zweimal die Liga und einmal die Copa Latina. Die Zahl, die alles erklärt: 131 Tore in 186 Pflichtspielen. Aber die Statistik verrät nicht, wie er den Ball mit dem Spann trägt, als wäre es ein rohes Ei, wie er aus 25 Metern halb gedreht ins lange Eck chippt, während die gegnerische Abwehr noch nach Luft greift.

Der mythos lebt – und der schmerz auch

Der mythos lebt – und der schmerz auch

1953 spielt er mit einer Hüftverletzung, die Ärzte ein „Wunder“ nennen. 1956 fliegt die Maschine mit dem FC-Barcelona-Emblem über den Atlantik – und stürzt bei Santander ab. Kubala überlebt, schwer verletzt. Die Karriere? Eigentlich vorbei. Doch er kommt zurück, wird Torschützenkönig, führt Spanien bei der WM 1962 in Chile an. Die Spanier nennen ihn „Kubala, el ídolo“, die Kroaten „Kubala, naš“. Denn er ist alles: Ungar, Tscheche, Spanier – und doch vor allem eins: Fußballer.

1978 steht er erstmals als Coach an der Seitenlinie des Camp Nou. Die Spieler nennen ihn „Don László“, weil seine Stimme immer noch dieselbe Ruhe ausstrahlt wie seine Balltechnik. Er gewinnt den Pokal der Pokalsieger mit Barcelona – als erster Trainer, der den Club zu einem europäischen Titel führt. Der Kreis schließt sich. Der Flüchtling wird zum Idol, das Idol zum Lehrer.

László Kubala stirbt 2002 in Barcelona. Die Stadt erklärt drei Tage Staatstrauer. 90.000 Menschen schlendern durch den Camp Nou, um sich von einem Mann zu verabschieden, der nie einen Pass hatte, aber immer den Ball. Und vielleicht ist das das größte Vermächtnis: Dass ein Leben, das mit Angst beginnt, mit Applaus endet – 90 Minuten plus Nachspielzeit inklusive.