Krone ab, krume: dänemarks legendärer co verlässt den thron

14 Turniere, zehn Finals, drei Trainer, ein Mythos – und jetzt Schluss. Henrik „Krume“ Kronborg zieht sich nach 23 Jahren aus dem Staff der dänischen Handball-Nationalmannschaft zurück. Die Nachricht traf die Handball-Welt am Montagmorgen wie ein Kreiswurf gegen den Pfosten: laut, unerwartet, nachhallend.

Der 55-Jährige war kein Mann fürs Rampenlicht, doch ohne ihn lief hinter den Kulissen gar nichts. Er organisierte Gegneranalysen bis in die Nacht, pflegte Talente vom ersten Tag an und schrieben taktische Notizen, die selbst Bundestrainer Nikolaj Jacobsen wie Gebete studierte. „Es waren neun fantastische Jahre mit Krumme“, sagt Jacobsen. Die Formulierung klingt wie ein understatement, ist aber ein Liebesbeweis. Denn Jacobsen weiß: Ohne Kronborg stünden weder das Gold von Tokio noch der Weltmeistertitel 2021 im Schrank.

Warum jetzt? weil krume sagt, dass seine batterie blinkt

In der dänischen Verbandspressemitteilung klingt er fast schon wie ein Philosoph: „Ich möchte meine Kräfte anders einsetzen.“ Was heißt: weniger Hotels, weniger Flughäfen, mehr Zeit für die Familie und vielleicht auch mal einen Sommer ohne Handball-Europäer. Die Entscheidung fiel bereits während der Vorbereitung auf die Heim-WM 2025 – ein Turnier, das Kronborg als Co-Betreuer nun nur noch aus der Ferne verfolgen wird.

Seine Bilanz liest sich wie eine Endrunden-Steuererklärung: fünf WM-Finals, drei olympische Finals, zwei EM-Finals. Dazu unzählige Siege im Skandinavien-Duell, in dem Dänemark seit Jahren die Nase vorn hat. Aber die reine Zahl verrät nicht, wie Kronborg Spieler wie Mikkel Hansen oder Mathias Gidsel aus Rohdiamanten zu Weltstars schliff. Als Nachwuchs-Nationalcoach baute er Talente auf, die später seine eigenen Gegneranalysen sprengten.

Aalborg wird zum letzten stützpunkt – und der verband sucht heimlich ersatz

Aalborg wird zum letzten stützpunkt – und der verband sucht heimlich ersatz

Parallel zur Nationalmannschaft betreute Kronborg noch Aalborg Handbold. Auch dort soll er bleiben, zumindest vorerst. Für den Dänischen Handball Bund (DHF) beginnt nun eine heimliche Jagd. Interne Kandidatenlisten kursieren, doch offiziell heißt es nur: „Wir suchen.“ Verbandspräsident Per Bertelsen will den Nachfolger erst nach der Sommerpause präsentieren. Intern ist die Devise: Jemand, der Krums Wissen hat, aber nicht Krums Gesicht – schließlich war dessen Markenzeichen die Stimme aus dem Off, nicht das Interview im Zentrum.

Die Nachfolge wird sportpolitisch brisant. Dänemark gilt zwar als Handball-Macht, doch der Staff arbeitet seit Jahren mit minimalem Personal. Verliert man nun die analytische Kompetenz, könnte das bei der Heim-WM 2025 nachhaltig nach hinten losgehen. Jacobsen betont zwar, das System stehe, doch Insider wissen: Systeme sind nur so gut wie ihre Köpfe.

Kronborg selbst will sich zunächst „zurückziehen und durchatmen“. Wie lange, das verrät er nicht. Immerhin: Ein Abschiedsspiel ist bereits in Planung – voraussichtlich im Januar in Aalborg. Dann wird er ein letztes Mal die Seitenlinie entlanglaufen, diesmal nicht mit Block und Stift, sondern mit Blumen und Applaus. Danach bleibt nur die Frage, wer die Krume ersetzt – und ob Dänemarks Handball-Zukunft ohne seine leise Stimme genausi laut schreit wie zuvor.