Krols napoletanische seele: ein niederländischer held erinnert sich
Ruud Krol, der legendäre niederländische Verteidiger, ist mehr als nur ein Fußballspieler – er ist eine Ikone, die zwei Welten vereint. Seine Erinnerungen an Neapel sind so lebendig wie der Duft von Fisch an der Mergellina, seine Leidenschaft für den Fußball unerschütterlich. Im Interview blickt er zurück auf seine Zeit in Italien, seine Begegnung mit Johan Cruijff und die Magie des „Azzurro“.
Von „fiori, fiori“ zum napoletanischen helden
Krols Ankunft in Neapel war alles andere als ein Märchen. Nach 12 Jahren bei Ajax Amsterdam und einer Zwischenstation in Vancouver suchte er neue Herausforderungen und fand sie in der Serie A. „Ich habe mich von Vancouver aus von Antonio Juliano überzeugen lassen, der mich schon in Holland begehrte“, erinnert sich Krol. Doch die Reise war lang und anstrengend – 42 Stunden dauerte es, bis er endlich in Neapel ankam, erschöpft und ohne ein Wort Italienisch zu sprechen. Die Verständigung auf dem Platz gestaltete sich zunächst schwierig. „Ich habe immer wieder 'Fiori, fiori' gerufen, um eine hohe Abseitslinie zu fordern. Meine Kollegen haben mich angesehen, als ob ich verrückt wäre.“
Doch Krol lernte schnell. Er engagierte einen Sprachlehrer und tauchte in die Kultur ein. Und er erlebte unvergessliche Momente, wie den Besuch der Fischer in Mergellina: „Sie haben mich umarmt, und der Geruch von Fisch war überall. So viel Wärme habe ich noch nie erlebt.“

Cruijff: mehr als nur ein trainer
Ein weiterer prägender Einfluss in Krols Karriere war Johan Cruijff. „Er war außergewöhnlich“, sagt Krol. „Er machte dich zu einem besseren Spieler. Er war ein Trainer auf dem Platz, las das Spiel wie kein anderer. Wir haben oft diskutiert, es war eine sehr ehrliche Beziehung.“ Krol schätzt Cruijffs Fähigkeit, seine Spieler zu motivieren und ihnen zu helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Heute, mit 77 Jahren, blickt Krol auf eine beeindruckende Karriere zurück, geprägt von 16 Titeln mit Ajax und der unvergesslichen Zeit in Neapel. Immer wieder kehrt er in die Stadt zurück, wo er als „König von Neapel“ gefeiert wird. „Jedes Mal, wenn ich ein Taxi nehme, werde ich von Erinnerungen überflutet. Die jungen Leute sagen mir: 'Sie waren ein Held für meinen Vater, ich habe ein Foto von Ihnen zu Hause'. Das ist wunderschön.“
Und während die Verletzungsmisere des aktuellen Napoli-Teams die Saison erschwert, bleibt Krol optimistisch. „Sie haben sich immer über dem vierten Platz gehalten. Das zeigt, wie stark sie sind.“ Sein Herz schlägt weiterhin für den Fußball, für die Leidenschaft und die unvergesslichen Momente, die er auf dem Platz erlebt hat. Denn Krol ist nicht nur ein niederländischer Fußballspieler – er ist ein Stück napoletanische Seele.
