Krieg über dem persischen golf lässt sportler in der wüste stranden
Die ersten Raketen schlugen ein, da war die Sportsaison schon wieder gebremst. Während Fernsehsender die Lufthoheit über dem Iran analysieren, sitzen Daniil Medwedew und 39 weitere Tennisprofis im Hotel von Dubai fest – ohne Startfenster, ohne Gewissheit, wann die Saison für sie weitergeht.
Hotellobbys werden zur warteschleife
Die ATP hatte das Turnier in Dubai gerade abgeschlossen, da verbot der Iran-Krieg den Luftraum über der Straße von Hormus. Medwedew, Andrey Rublew und der Niederländer Tallon Griekspoor lehnten eine Flucht über Land nach Oman oder Saudi-Arabien ab – zu unsicher, zu lang. Indian Wells rückt näher, die Uhren im Emirates Towers ticken lauter. „Niemand weiß, wann wir starten können“, sagte Medwedew mit dem Ton eines Mannes, der sein Trainingsfenster schon verpasst sieht.
500 Kilometer westlich, in Doha, stehen fünf deutsche Springreiter vor dem gleichen Dilemma. Ihre Pferde trabieren auf dem Gelände der Global Champions Tour, doch das Turnier wurde abgesagt. Bundestrainer Otto Becker berichtet per Telefon: „Die Pferdepfleger hören die Drohnen über der Al-Udeid-Basis. Sie sind in der Einflugschneise, 40 Kilometer entfernt, aber die Explosionen klingen, als wären sie nebenan.“ Die Tiere bewegen sich im Roundpen, die Menschen ducken sich in Hotelsuiten und warten auf Evakuierungscharter, die vielleicht nie starten dürfen.

Spielpläne zerreißen wie papier
Die EuroLeague musste Hapoel Tel Aviv gegen Paris Basketball absagen – einfach weil kein Flug nach Israel zurückfindet. Dubai Basketball plant zwar weiter, aber die Liga prüft bereits, ob man Spiele nach Larnaka oder Athen verlegt. Die NextGen-Talente, die nächste Woche in Abu Dhabi debutieren wollten, bleiben zu Hause; die Tickets wurden zu Origami.
FIFA hat vier WM-Qualifikationsspiele in Katar gestrichen, ohne Ersatztermin. Und der Traumduell Messi gegen Yamal, für den 27. März in Doha angesetzt, schwebt in der Schwebe. CONMEBOL schweigt noch, aber die Logistiker rechnen: Soll die Finalissima nach London, Mailand – oder einfach ins nächste Jahr rutschen?
Die Formel 1 indessen sichert sich ab. 1000 Teammitarbeiter mussten umbuchen, 500 starten jetzt mit drei Chartermaschinen von Europa nach Melbourne. Der Saisonauftakt wird stattfinden, nur die Routenplaner haben neue Weltkarten gelernt.
Der Sport verliert also nicht nur Spiele, sondern seine Zeitpläne. Während die Politik von Eskalation spricht, zählen Athleten Stunden, nicht Tage. Sie sitzen in Flughafenlounges, Hotelzimmern und Stallungen – und begreifen: Der Krieg beginnt nicht erst an der Grenze, sondern da, wo der Flugplan endet.
