Krieg im nahen osten versetzt formel 1 in krisenmodus – rennzirkus umfliegt jet-blackout

Melbourne. Statt Champagner-Korken knallen Raketen, statt Boxenstopps zählen Militärbasen. Die Formel 1 wollte am Sonntag (5.00 Uhr/Sky) mit Vollgas in die neue Saison starten – doch die Eskalation im Nahen Osten zwingt den Rennzirkus ins Notprogramm. Rund 1.000 Teammitarbeiter mussten Umwegflüge über Singapur und Hongkong akzeptieren, weil Dubai, Doha und Abu Dhabi plötzlich zur No-Fly-Zone geworden sind.

Die Logistik-Hammerwelle traf die Garagewelt am Samstag, als USA und Israel erstmals iranisches Territorium bombardierten und Teheran mit Gegenschlägen auf israelische und US-Stützpunkte antwortete. Innerhalb von Minuten brach der Luftverkehr im Golf zusammen – und mit ihm die Standardroute der Formel-1-Caravan. „Wir haben alle Hände voll zu tun, Koffer und Köpfe neu zu sortieren“, sagt Toto Wolff im Albert-Park-Fahrerlager, während ein Mechaniker seinen Rucksack zwischen Reifenstapeln verzweifelt sucht.

Travis auld verspricht: „die stars landen – container sind schon da“

Die Zahlen sprechen Bände: 300 Tonnen Material pro Team, 2.500 Einzelteile pro Boliden, 60 Rennwagen in 40 Containern – alles bereits in Melbourne verstaut. Geschäftsführer Travis Auld beruhigt: „Die Fahrer, Ingenieure, Teamchefs bekommen Priority-Boarding. Unsere Supply-Chain hat sich bewährt.“ Die Frage ist nur, ob die Nervenkette hält. Denn während die ersten Cargo-747 bereits in Avalon landen, stehen die nächsten beiden Rennen auf dem Prüfstand.

Bahrain (12. April) und Saudi-Arabien (19. April) sind keine Termine mehr, sondern Pokerface. Erst am vergangenen Wochenende brach Pirelli nach iranischen Drohnenalarmen den Reifentest in Sakhir ab. Die FIA hält die Fahnen halbmast: „Sicherheit und Wohlergehen leiten unsere Entscheidungen“, twittert Präsident Mohammed ben Sulayem, während seine Stimme via Satellittelefon bricht.

Die strecke nach katar und abu dhabi wird zum geopolitischen slalom

Die strecke nach katar und abu dhabi wird zum geopolitischen slalom

Die Saison endet, wo der Konflikt begann: Katar (29. November) und Abu Dhabi (6. Dezember) stehen als Finale auf dem Kalender. Liberty Media hat Milliarden-TV-Verträge und Prestige-Abendrennen zu verteidigen, doch die Reisebusse der TV-Crews stehen noch in Heathrow. Die Teams diskutieren intern über Notfallpläne: Lkw-Konvois von Europa nach Katar? Charter über die Nordroute? Oder doch komplette Absage?

Christian Horner kaut auf einem Kugelschreiber: „Wir sind gewohnt, mit Vollgas durch Unwetter zu fahren. Aber das hier ist kein Regenschauer, das ist ein Sturm mit militärischer Eskalation.“ Die Mechaniker in Melbourne lachen nicht darüber. Sie haben ihre Familien über WhatsApp-Video verabschiedet, nicht wissend, ob der Rückflug überhaupt startet.

Die roten Lichter am Startzaun zählen herunter, doch die Angst bleibt. Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, könnte die Formel 1 erstmals seit 2020 wieder in eine Geister-Saison schlittern – nur diesmal nicht wegen eines Virus, sondern wegen Raketen. Die Stoppuhr tickt. Die Welt guckt zu. Und die Motoren schreien trotzdem.