Krieg im mittleren osten droht formel-1-kalender zu sprengen – bahrain und saudi-arabien auf der kippe
Die Startampel in Melbourne steht auf Grün, doch schon beim zweiten und dritten Stichwort zögert das System. Der Iran-Konflikt schlägt voll in die Formel 1 durch: Bahrain (12. April) und Saudi-Arabien (19. April) stehen vor dem Aus, die Teams buchen Krisen-Alternativen, die Logistik versinkt im Chaos.
Warum die rennen plötzlich unrealistisch sind
Die Lage hat sich binnen Tagen zugespitzt. Nach israelischen und US-Luftschlägen auf iranische Ziele droht Teheran mit Gegenangriffen – insbesondere gegen Golf-Staaten, die US-Stützpunkte beherbergen. Bahrain, Katar und die VAE gelten als primäre Ziele. Große Sportevents? Unter diesen Vorzeichen undenkbar. Die FIA hält offiziell die Füße still, intern kursieren bereits Notfallpläne.
Luftkorridore wie Doha, Dubai und Abu Dhabi – sonst Drehkreuze für 1.000 Teammitglieder plus Fracht – sind teils gesperrt, teils stark eingeschränkt. Ergebnis: Umwege von bis zu 14 Stunden, fünfstellige Mehrkosten pro Kopf und ein Personalmix, der in Melbourne erst mal improvisieren muss. „Wir fliegen jetzt über Istanbul, das kostet zwölf Stunden und ein Vermögen“, sagt ein Mechaniker von Haas, der seinen Namen nicht in den sozialen Medien lesen will.

Die ersatz-kandidaten, die keiner plante
Portimao, Imola, Le Castellet – alles Pisten, die 2026 eigentlich Außenseiter waren. Nun liegen ihre Terminunterlagen wieder auf dem Schreibtisch von F1-Calendar-Chef Philpp Bros. Imola war erst Anfang des Jahres gestrichen worden, Portimao sprang 2020 als Covid-Notnagel ein. Die Strecken sind vorhanden, die Genehmigungen liegen teilweise noch, die Logistik ist binnen zwei Wochen zu stemmen – wenn das Geld stimmt. Die Königsklasse müsste dafür TV- und Fördergelder umschichten, ein Prozess, der normalerweise Monate dauert.
Pirelli musste den Reifentest in Bahrain bereits absagen, einige Ingenieure saßen tagelang fest. Die Botschaft ist klar: Die Fracht kommt zwar durch – Menschen sind das Problem. Und Menschen machen schließlich den Sport aus.
Die stunde der wahrheit rückt näher
Formel-1-CEO Stefano Domenicali schwieg in Melbourne bislang zu den Szenarien. Intern kursiert ein Zeitfenster: Entscheidung bis 22. März, sonst droht ein Dominoeffekt. Denn nicht nur die Teams, auch DHL und die TV-Technikpartner brauchen Planungssicherheit. Die Alternative: zwei Rennen in Europa, mehr Langstreckenflüge, höhere CO₂-Bilanz – und ein Image-Schaden, wenn die Sportwelt den Golfstaaten ausgerechnet in deren Krisenstunde den Rücken kehrt.
Die Rechnung ist einfach: Wer jetzt zögert, verliert. Die Formel 1 kann sich kein „wir warten ab“ leisten, wenn Passagiere und Piloten gleichermaßen Kollateralschäden werden. Bahrain und Saudi-Arabien sind mehr als nur Strecken – sie sind Milliardeninvestoren. Fällt die Region aus dem Kalender, klingelt es auch in den Budgets der Teams. Die Saison 2026 beginnt mit Vollgas – und endet möglicherweise schon nach Renn zwei und drei im administrativen Nirgendwo. Die Ampel bleibt auf Gelb. Und niemand weiß, wie lange.
