Kreuzbandriss nach medaillenrausch: pia hauzenbergers saison ist vorbei

Pia Hauzenberger weinte vor vier Wochen noch Freudentränen in der Finish-Korridor der Junioren-WM, jetzt sitzt sie im Wartezimmer der Innsbrucker Sportklinik und wartet auf den OP-Termin. Kreuzband plus Meniskus – das bedeutet mindestens neun Monate Pause, vielleicht ein Jahr, vielleicht mehr.

Das Knie klappte weg, als sei es ein defekter Gelenkmechanismus. Europacup-Training, Seis am Schlern, 86 km/h, Eiskante. „Ich habe nur noch den Schnee aufplustern sehen“, sagt sie am Telefon, Stimme heiser von den Schmerzmitteln. Die Diagnose folgte binnen 45 Minuten: vorderes Kreuzband gerissen, Innenmeniskus angerissen, Saison vorbei. Die 19-Jährige aus Oberndorf hatte gerade ihre zweite Bronze in Bansko geholt – Team und Slalom – und galt als heißer Kandidat für den Europa-Cup-Gesamtsieg.

Die sekunde, die alles zerlegt

Die sekunde, die alles zerlegt

Trainer Andreas Peschel war als Erster bei ihr. „Sie hat gefragt: ‚Wann kann ich wieder fahren?‘ Ich konnte ihr keine Antwort geben.“ Ski Austria schaltet den Krisenmodus ein: Mentoren, Psychologen, Reha-Leiter. Hauzenberger selbst postiert ein Foto vom Krankenbett, Schiene bis zum Oberschenkel, Daumen hoch. „Dieser Sport kann dir alles geben – und es dir in einer Sekunde wieder wegnehmen“, schreibt sie. Die Zeile geht viral, 80.000 Likes binnen vier Stunden.

Die harte Seite des Profisports kennt sie jetzt aus erster Hand. Kein Vertragssprung, keine Startgebühr, keine Punkte. Sponsoren schauen auf die Kalender: Olympia 2026 liegt theoretisch in Reichweite, doch die Statistik spricht gegen sie. Nur 62 Prozent der Skirennfahrer kehren nach einem vorderen Kreuzbandriss auf Weltcup-Niveau zurück. „Ich muss lernen, stillzusitzen“, sagt sie. „Ich bin jemand, der dreimal am Tag auf die Piste geht.“

Die Operation steht diese Woche an. Danach folgen sechs Wochen Vollimmobilisation, dann Muskelaufbau auf dem Anti-Gravitationslaufband. Erstes Ziel: Oktober, Schneetraining auf dem Gletscher. Ob sie dort stehen kann, entscheidet sich im August, wenn der Arzt das zweite MRT liest. Bis dahin bleibt der Europacup-Gesamtsieg ungefährdet – für jemand anderen.

Hauzenberger selbst will nicht jammern. Sie hat schon den nächsten Plan: „Ich werde die Zeit nutzen, um endlich mein Abitur nachzuholen.“ Und dann? „Dann komme ich zurück. Langsam, aber sicher.“ Die Faszination des Sports bleibt, auch wenn das Knie sie im Stich lässt. Die nächste Saison ist weit weg, der Schmerz dagegen ganz nah. Sie wird sitzen, warten und hoffen – und irgendwann wieder Freudentränen weinen, diesmal am richtigen Ort: in der Zielaufstellung, nicht im Reha-Zentrum.