Kreuzband-exitus: darmstadts motor luca marseiler fällt monatelang aus
Die Nachricht traf den TSV Darmstadt 98 wie ein Schlag in die Magengrube. Luca Marseiler, Herzstück der Offensive und 21-mal in der Startelf seit Spieltag eins, erlitt beim 1:1 gegen Schalke einen Kreuzbandriss. Die Saison ist für ihn beendet – und mit ihm der Vorstand, der gerade noch davon träumte, dem Club die Rückkehr in die Bundesliga zu schenken.
Die Szene war schnell, aber brutal deutlich. In der 23. Minute setzte Marseiler zum Sprint an, rutschte mit dem rechten Fuß weg, blieb liegen. Kein Gegner in der Nähe, kein Kontakt – nur das Knie, das in sich zusammenfiel. Florian Kohfeldt sprintete auf den Rasen, legte den Arm um seinen Mittelfeldstrategen, wusste sofort: Das sieht nicht nach Wochen, sondern nach Monaten aus.
Die diagnose: vorderes kreuzband komplett gerissen
Am Sonntag bestätigte sich das schlimmste Verdachtsmodell. MRT, klinische Tests, alles einhellig. „Wir haben die Befürchtung am Samstagabend schon gehabt, trotzdem trifft es uns mit voller Wucht“, sagt Sportdirektor Paul Fernie. Der 29-Jährige wird operiert, danach beginnt der lange Weg zurück – ein Weg, den Darmstadt ohne ihn gehen muss.
Marseiler war mehr als nur ein Dribbelkünstler. Mit sieben Vorlagen und drei Toren steht er in den Top-Ten der Liga bei den Torbeteiligungen. Seine 2,91-Notendurchschnitt (kicker) täuscht: Er eröffnet Räume, schaltet um, setzt Tempo. Ohne ihn verliert das Kollektiv seinen Reisswolf im Pressing – und die Lettern in der Umschaltmaschine.

Kohfeldt muss plan b schmieden – corredor rückt in den fokus
Killian Corredor lief schon gegen Schalke für Marseiler auf. Der Franzose zeigte sich bemüht, aber ohne die gleiche Ballsicherheit zwischen den Linien. Der Coach wird nun mit Oscar Vilhelmsson und Mathias Honsak experimentieren müssen, um die fehlenden Meter zwischen Mittelfeld und Sturm zu überbrücken. Die Partie am 11. April in Hannover rückt zur Schicksalsbegegnung: Sieben Spiele noch, ein Punkt Rückstand auf Rang zwei.
Die Kabine ist durchgeschüttelt. „Die Jungs hatten Tränen in den Augen“, berichtet Kohfeldt. „Luca ist beliebt, laut, treibend. So einer fehlt nicht nur sportlich.“ Der Verein sicherte umgehend Betreuung, Mentoren-Programm und ein individuelles Reha-Konzept zu. Marseiler selbst will sich schon in der Klinik mit Co-Trainer Tobias Seipp Videos der nächsten Gegner anschauen – wenn das kein Zeichen ist, weiß ich nicht, was sonst.
Die Lilien bleiben im Rennen, das steht fest. Doch wer jetzt glaubt, der Aufstieg wäre nur eine Frage der Tagesform, unterschätzt die emotionale Schockstarre, die so eine Verletzung auslöst. Der nächste Mann muss bereitstehen, die nächste Führungsfigur aufstehen. Denn ohne Marseiler heißt es: Nächster Halt Bundesliga – aber mit einem Rad, das erst mal neu erfunden werden muss.
