Kreuzband-desaster: thannheimer fliegt sich aus wm-form – saison vor dem aus

Ein einziger Flug auf 128,5 Meter beendet Wendelin Thannheimers Olympia-Trauma-Jahr. Die Kreuzband-Explosion im linken Knie schmettert den frisch gebackenen Team-Weltmeister zurück auf den Rasen von Lahti – und raubt dem DSV das letzte Podest-Talent vor Mailand.

Die Zahlen sind brutal: 0,8 Sekunden Unruhe in der Landung, 12 Monate Rehabilitation, 0% Chance auf die Winterspiele. Am Freitag um 15:47 Uhr Ortszeit verlor Thannheimer bei 72 km/h die Kontrolle, sein Ski hakte ein, das Knie drehte sich nach innen – ein Geräusch wie ein zerreißender Segeltuch.

Pechvogel thannheimer: gold-woche endet mit meniskus-chaos

Teamarzt Lukas Pecher bestätigt den Befund: vorderes Kreuzband komplett durch, Außenmeniskus angerissen. „Wir haben sofort kühlen lassen, die Schwellung stoppen. Montag wird in München operiert“, sagt er mit monotoner Stimme, als hätte er diese Diagnose schon zu oft in dieser Saison gesprochen.

Der 26-Jährige hatte gerade erst in Trondheim Geschichte geschrieben: Platz zwei im Massenstart, erste Weltcup-Medaille, Ticket für die Vorentscheidung. Drei Wochen später liegt er im finnischen Schnee, konzentriert sich darauf, nicht zu schreien. Die Kameras zoomen auf sein Gesicht – keine Tränen, nur ein leiser Fluch.

Für den DSV bedeutet der Ausfall ein personelles Desaster. Mit Vincent Geiger und Johannes Rydzek stehen nur noch zwei erfahrene Kombinierer zur Verfügung. Die Nominierung für Mailand sollte eigentlich heute verkündet werden, steht nun jedoch auf Eis. Sportdirektor Horst Hüttel muss umdisponieren – und weiß: Ersatz wird nicht annähernd Thannheimers Sprungradius bieten.

Die Athleten-Zentrale in Oberhof reagiert mit Schweigen. Kein Tweet, keine Tränen-Story, nur ein knapper Verbandssatz: „Wir wünschen schnelle Genesung.“ Dahinter steckt die Angst, dass das nächste Kreuzband ebenfalls nur noch eine Frage der Zeit ist. Denn die Schanzen werden steiler, die Landungen härter, die Saison länger.

Thannheimer selbst wird am Sonntag mit Krücken nach Hause fliegen. Seine Eltern warten am Flughafen München – ohne Medaillen, mit dickem Knieband. Die Olympia-Qualifikation war nur 0,7 Punkte entfernt. Jetzt ist sie ein Jahr zu spät. Und die WM-Form? Die bleibt in Lahti liegen, zusammen mit einem zerrissenen Kreuzband und dem Traum von einem Start in Cortina.