Kretzschmars urteil: gidsel prägt handball-ära – leipzig als super-gau!
Die Handball-Bundesliga hat ihre Saison beendet, und die Stimmen der Experten sind gefragt. Stefan Kretzschmar, Handball-Legende und Experte bei Sport BILD, hat seine ganz persönliche Bilanz gezogen – und die ist brisant. Während der SC Magdeburg als Maßstab für die kommende Zeit gilt, hagelt es Kritik an der Leistung von RB Leipzig.
Magdeburgs dominanz und gidsels außergewöhnlichkeit
Kretzschmar ist beeindruckt. Souverän, mit nur einer Niederlage in der gesamten Saison, hat sich der SC Magdeburg den Titel gesichert. „Dieses Team ist in dieser Dekade das Maß aller Dinge“, so der frühere Nationalspieler. Doch besonders hervorsticht für ihn eine einzelne Person: Mathias Gidsel.
„Ich habe noch nie so einen Spieler gesehen wie ihn“, raunt Kretzschmar, der die unglaublichen 317 Feldtore und den Durchschnitt von 9,8 Toren pro Spiel kaum fassen kann. „Er ist erst 27. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was der noch besser machen könnte die nächsten Jahre. Gidsel wird ein ganzes Zeitalter prägen.“ Ein klares Bekenntnis zu einem Spieler, der die Handball-Welt im Sturm erobert.

Leipzigs fehlstart und die enttäuschungen der saison
Doch nicht alle Teams konnten Kretzschmars Erwartungen erfüllen. Besonders bitter empfindet er das Aus von RB Leipzig. „Das hätte ich im Leben nicht gedacht, dass die mit dieser Mannschaft, mit diesem Budget, ihren Fans und dieser Euphorie da unten reinrutschen.“ Die Abwärtsspirale, die im Kopf beginnt und schwer zu durchbrechen ist, hat Leipzig offenbar fest im Griff. Ein Super-GAU, der den Verein vor große Herausforderungen stellt.
Neben Leipzig fallen auch Hannover-Burgdorf und der THW Kiel negativ auf. Der THW Kiel, mit seinen verletzten Stars Madsen, Skipagøtu und Johansson, konnte seine eigenen hohen Ansprüche nicht erfüllen. „Ihre Auftritte waren gegen nicht so starke Teams auch einfach sehr enttäuschend.“

Überraschungen und gewinner – und ein blick in die zukunft
Es gab aber auch positive Überraschungen. Melsungen, mit dem Gewinn der European League und dem sensationellen Torhüter Nebojsa Simic, hat Kretzschmars Anerkennung gefunden. Ebenso Gummersbach und Lemgo, deren Trainer Gudjón Valur Sigurdsson und Florian Kehrmann für eine überragende Saison sorgten. Auch die Entwicklung von Spielern wie Elias Newel (Göppingen), Sören Steinhaus (BHC) und Miro Schluroff (Gummersbach) wurden gewürdigt.
Kretzschmars Einschätzung zum Abgang von Nationalspieler Juri Knorr nach Aalborg: „Persönlich für ihn schon, er sammelt dort wertvolle Erfahrungen.“ Der Wechsel war richtig und wichtig. Er ist da nicht so sehr im Fokus wie in Deutschland, kann sich in seiner Persönlichkeit weiterentwickeln, und er ist auch gleich dänischer Meister geworden.
Dennoch bleibt die Frage: Wird es einen neuen Welthandballer geben, der Gidsels Messlatte übertreffen kann? Die Antwort: „Es gibt viele tolle Spieler im Welthandball, aber Mathias spielt momentan in einer anderen Liga. Ob jemand ihn jemals erreichen wird, wird die Zeit zeigen. Aber eines ist sicher: Die Handball-Bundesliga bleibt die beste Liga der Welt.“
