Kretschmer bleibt: hsg ostsee zieht die notbremse und landet den dauerbrenner

Finn Kretschmer wollte eigentlich nur kurz einspringen, doch nun bleibt er für immer. Der Rechtsaußen verlängert bei der HSG Ostsee N/G – unabhängig von Liga und Gegner. Ein Signal, das in der 3. Liga Nord-Ost Wellen schlägt.

Der plan war klar: job vor, handball nebenbei

Nach seiner Zeit beim VfL Lübeck-Schwartau hatte Kretschmer die Koffer gepackt. Keine Trainingseinheiten mehr um 6 Uhr morgens, keine Nachbetrachtungen bis Mitternacht. Stattdessen: Vollgas im Büro. Doch dann fiel Torge Klemann aus, die HSG rief an, und plötzlich stand er wieder auf der Platte. „Beim ersten Training habe ich gemerkt: Das will ich nicht missen“, sagt er rückblickend. Die Interimslösung wird zur Dauerlösung.

Die Zahlen sprechen für sich: vier Punkte aus den letzten zwei Spielen, Torquote 62 Prozent, sieben Assists. Kretschmer ist nicht nur Statistiker, er ist Zündstoff. Gegen die U23 der Füchse Berlin will er den nächsten Coup landen – in deren Fuchsbau, wo normal nur Berliner Punkte wachsen.

Vertrauen statt zweifel: warum er jetzt unterschreibt

Vertrauen statt zweifel: warum er jetzt unterschreibt

Ligaunabhängig klingt nach PR-Sprech, ist hier aber echter Selbstschutz. Die HSG schwankt auf Platz 13, nur zwei Punkte vor dem Strich. Kretschmer hätte abwarten können: Rettung first, dann unterschreiben. Er unterschreibt trotz Abstiegskampf. „Ich will kein Ehrenrundchen drehen, ich will gewinnen“, sagt er. Die Botschaft an Fans und Sponsoren: Wir retten uns selbst, und wir tun es mit Spielern, die bleiben, weil sie hierbleiben wollen.

Er kann es sich leisten, diesen Schritt zu gehen. Der 29-Jährige arbeitet als Industriekaufmann, Homeoffice zwei Tage die Woche, Gleitzeit der Rest. Sein Arbeitgeber ist Fan von Struktur – und von Handball. Die Kombination ist kein Kompromiss, sondern ein Luxus, den sich kaum ein Zweitliga-Profi leisten kann.

Die Konkurrenz schaut neidisch. In der 3. Liga wechseln Spieler häufiger den Klub als ihre Schuhe. Kretschmer wechselt nicht, er verankert sich. Trainer Maik Dos Santos spricht von „Identifikation pur“, Manager Nico Behling nennt es „ein Statement, das in der Region Kreise zieht“. Beide wissen: Hält die Mannschaft die Nerven, kann sie auch den Favoriten ärgern.

Am Samstag also Fuchsbau, 19 Uhr, Live-Stream mit Zuschauer-Obergrenze. Die Berliner U23 ist Tabellenführer, hat erst eine Niederlage kassiert. Kretschmer lacht: „Perfekt. Dann können wir sie auf zwei erhöhen.“ Keine Rhetorik, kein Pathos – nur Handball, der brennt. Und wenn es klappt, steht die HSG nicht mehr auf 13, sondern auf 11. Der Abstand zur roten Zone wächst, der Glaube auch.

Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt