Kraus und co. erobern amerika: deutsche handball-legenden krönen sich in l.a.

Michael Kraus hat es wieder getan. Der 39-jährige Ex-Weltmeister pflüstert seine Sammlung um eine weitere Trophäe – diesmal ausgerechnet in der Handball-Wüste USA. Der LA Team Handball Club holt mit drei deutschen Altstars die Meisterschaft, und plötzlich redet ganz Kalifornien über Handball.

Ein kader, der sich selbst zusammenstellte

Die Transfermeldungen kamen Schlag auf Schlag. Erst Mickael Robin, 36, ehemals Barça und Montpellier, dann William Accambray, Gold von London 2012, und schließlich Michael Kraus, 2007 Weltmeister, 2016 Europameister Martin Strobel gleich hinterher. „Wir wollten nicht nur gewinnen, wir wollten dominieren“, sagt Kraus am Flughafen LAX, noch mit Champagnerflecken auf dem Poloshirt. Drei Spiele, drei Statements: 36:28 gegen Chicago, 42:27 im Rückspiel, 33:33 im Endspiel gegen New York – reicht für den Titel, weil LA die bessere Tordifferenz hat.

Die Zuschauer im Pasadena Convention Center zählten 2.300, Rekord für eine US-Hallensport-Liga. Sie sahen, wie Kraus nach dem 15:11-Pausenstand die Kabine enterte und schrie: „Kein Schritt zurück!“ Sie sahen Vid Kavticnik, einst THW Kiel, wie er fünf Sekunden vor Schluss mit links ins lange Eck traf. Und sie sahen, wie Robin gleich nach Abpfiff auf dem Parkett auf die Knie ging, die Hände vor dem Gesicht – ein französischer Olympiakämpfer, der in Amerika weint.

Deutscher spielmacher wird mvp der liga

Deutscher spielmacher wird mvp der liga

Kraus lieferte sieben Assists im Finale, 24 im gesamten Wochenende. Die Liga ehrt ihn als „Most Valuable Player“, die erste Auszeichnung dieser Art für einen deutschen Feldspieler in der USA. „Ich habe meine Kinder zuhause, sie haben um fünf Uhr morgens mitgeschrieien“, sagt er. „Mein Sohn will jetzt auch Handball spielen – in Los Angeles. Das ist verrückt.“

Der Gewinn öffnet das Tor zur NACHC-Champions Trophy, dem karibisch-nordamerikanischen Pendant zur EHF ChampionsLeague. Gewinnt LA dort im September, darf der Klub im Oktober nach Ägypten zur Klub-WM – ein deutscher Handballer auf Weltniveau, nur eben in einem anderen Universum. Die Preisgelder sind bescheiden, 15.000 Dollar für den Meistertitel, aber die Marketing-Rights explodieren. Streaming-Partner ESPN+ buchte die Rechte für die nächste Saison schon vor dem Finale, die Zuschauerzahlen stiegen um 340 Prozent. Ein Investor aus Silicon Valley kaufte 48 Stunden nach dem Titel 25 Prozent am Klub.

Was der triumph wirklich bedeutet

Für die US-Hallensport-Föderation ist der Coup ein Durchbruch. Für Kraus ist er ein Beweis, dass eine Karriere nie vorbei ist, sie wechselt nur das Land. „In Deutschland hätten wir diese Show nicht mehr bekommen“, sagt er. „Hier sind wir wieder Rockstars.“ Am Freitag trainiert LA schon wieder, diesmal mit Jugendspielern aus Compton und Long Beach. Kraus nimmt den ersten Pass entgegen, wirft ihn sofort zurück – und lächelt. Der nächste Titel wartet, und diesmal sind die Kinder dabei.