Kostyuk schießt scharf ab: „wie schläft man nachts, wenn man weiss, was passiert?
Paris – Der Aufschrei aus der Tenniswelt hallt nach: Marta Kostyuk hat in einem scharfen Interview nach ihrem French-Open-Viertelfinale die russischen Spielerinnen und Spieler scharf kritisiert. Ihre Worte dürften in den Katakomben von Roland Garros für Gesprächsstoff sorgen – und werfen ein unbequemes Licht auf die Frage der Verantwortung im Sport.

Ein duell mit nachwirkungen: kostyuk gegen svitolina und die russische delegation
Der Sieg gegen ihre ukrainische Landsfrau Elina Svitolina war für Kostyuk emotional aufgeladen, doch die Freude wurde von der Frage nach dem Umgang russischer Spielerinnen und Spieler mit dem Krieg überschattet. Während sie Verständnis für die schwierige Situation zeigte, insbesondere angesichts möglicher Konsequenzen für eine klare Positionierung, ließ sie wenig Verständnis für die Zurückhaltung vieler übrig. „Es gibt eine Möglichkeit, nicht in Russland zu leben, wenn man nicht einverstanden ist“, betonte sie.
Kostyuk erinnerte an jene russischen Sportler, die ihr Land umgehend nach Kriegsbeginn verlassen haben, ihre Geschäfte aufgegeben und alles zurückgelassen haben – ein klares Zeichen ihrer Ablehnung gegenüber dem Vorgehen des Kremls. „Das sind Menschen, die eine Entscheidung getroffen haben und jetzt mit den Konsequenzen leben müssen. Aber das ist ihre Last.“
Die Zahl spricht eine deutliche Sprache: Kostyuk vermutet, dass die Mehrheit der russischen Spieler nicht in Russland lebt und daher nicht direkt dem Druck ausgesetzt ist, sich öffentlich zu äußern. Dennoch wirft sie den Spielern vor, nach vier Jahren des Krieges eine klare Haltung eingenommen zu haben. „Sie haben meiner Meinung nach sehr deutlich gemacht, auf welcher Seite sie stehen.“
Die 23-Jährige, die sich den Sieg gegen Svitolina den Menschen in der Ukraine gewidmet hat, verdeutlichte die Verantwortung, die ihr eigenen Ansicht zufolge den russischen Spielern obliegt. „Ich weiß nicht, wie man nachts friedlich schlafen kann, wenn man weiß, was passiert und man nichts dazu zu sagen hat“, sagte sie mit Nachdruck. Ihre Worte sind ein Appell an die Moral und Ethik im Sport – und eine Mahnung, dass Schweigen nicht immer eine Option ist.
Im Halbfinale trifft Kostyuk am Donnerstag auf die junge Russin Mirra Andreeva, die Sorana Cirstea in einem Blitzturnier ausgeschaltet hat. Ein weiteres Kapitel in dieser umstrittenen Geschichte, das sicherlich für zusätzliche Spannung sorgen wird.
