Köster ballert ägypten weg – dann kassiert er die trophäe fürs herz

41:38 stand es auf der Anzeigetafel, da hatte Julian Köster schon zwei Siege gefeiert. Den ersten gegen Ägypten, den zweiten gegen das Schweigen. In der Arena Dortmund überreichte ihm Handball-Legende Andreas Thiel den German Handball Award für Engagement – und die 12 000 Zuschauer vergaßen für Sekunden den Sport, als auf der Leinwand Special-Othmics-Kinder mit ihm durch die Mixed-Zone tanzten.

Der rückraum, der den rückwärtsgang vergessen hat

Köster spielte 58 Minuten, erzielte acht Treffer, zweimal aus über 30 Metern. Was niemand sah: Nach dem Abpfiff weinte der 27-Jährige eine Minute lang in der Kabine. „Ich dachte an meine erste Trainingseinheit mit den Kids von Special Olympics, wie sie mich fragten, ob ich wirklich Nationalspieler sei. Heute wollten sie wissen, wann ich endlich treffe“, sagt er. Dann lacht er, das kindliche, etwas schiefstehende Gebiss blitzt auf. „Jetzt hab ich nachgelegt.“

Die Trophäe selbst ist ein 1,2 Kilo schwerer Kristallblock, innen ein eingefrorener Handball. Symbolik pur, findet Mirjam Prahst Martinez, Athletensprecherin der SOD: „Julian trägt unseren Ball in die Öffentlichkeit hinein, ohne ihn jemals fallen zu lassen.“

Warum der award mehr ist als glas und glamour

Warum der award mehr ist als glas und glamour

Die Stiftung hinter der Auszeichnung ist knallhart: 200 Bewerbungen, zwölf Preise, keine Kompromisse. Der Engagementpreis gilt als „Oscar der Handballherzen“, doch die Jury schaut auf Nachweisbares – Geld, Stunden, Reichweite. Köster hat laut Protokoll 87 Termine absolviert, 34 000 Euro Spenden generiert und die Social-Media-Reichweite der SOD um 62 Prozent gesteigert. Die Zahlen stehen in einem Excel-Sheet, das er selbst pflegt. „Ich bin Mittelstürmer, ich will wissen, wo der Ball landet“, sagt er.

Dass er überhaupt Zeit fand, liegt an Bundestrainer Alfreð Gíslason. Der Isländer verordnete seinen Stammspielern ein „Sozialklima-Programm“: Wer nicht mindestens eine NGO betreut, fliegt aus dem Kader. Köster lacht: „Bei uns zählen nicht nur Tore, sondern auch Teddybär-Autogramme.“

Am Rande der Preisverleihung sickerte durch: Der Deutsche Handball Bund verhandelt mit einem Streamingpartner, um künftig Special-Olympics-Spiele im Halbzeitprogramm der Nationalmannschaft zu zeigen. Köster wäre Moderator. „Dann quatsche ich nicht nur über 7-Meter, sondern über 7-Millionen Menschen mit Behinderung“, sagt er. Die Uhr an seiner Hand ist ein Geschenk der Special-Athleten – Plastik, leuchtend grün. „Läuft auf Kreisläuferzeit“, grinst er. „Unendlich viel Spielzeit.“

Die deutsche Mannschaft fliegt am Montag ins WM-Vorbereitungslager nach Wien. Köster packt den Kristallblock selbst ein, er will ihn im Teamhotel aufstellen. „Damit keiner vergisst, wofür wir eigentlich kicken.“