Koschinat zündet den turbo: rwe jagt den traum von liga zwei

Uwe Koschinat hat genug vom Zuschauen. Nach dem 3:1 in Schweinfurt trommelt der RWE-Trainer: „Jetzt greifen wir richtig an.“ Sechs Siege in Serie, drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Osnabrück – der aufstieg ist plötzlich greifbar.

Vom abstiegsretter zum aufstiegsjäger

Als er im Dezember 2024 nach Essen kam, lag Rot-Weiss auf einem Abstiegsplatz. Drei Monate später ist das Team Tabellenzweiter der 3. Liga. Kein Wunder, dass sich der 54-Jährige erlaubt, offen vom Sprung in die zweite Etage zu sprechen. Die Rechnung ist simpel: Gewinnt RWE am Samstag gegen Ingolstadt, rückt der Druck auf Osnabrück in die finale Phase.

Koschinats Vita liest sich wie ein Fußball-Fibel-Krimi. Vier Trainerentlassungen in vier Jahren, zuletzt entlassen in Osnabrück – genau dem Klub, der ihm jetzt den Platz an der Sonne streitig macht. Die Ironie: Erst die Pleiten schleusten ihn ins Ruhrgebiet. Essen nutzte die Gunst der Stunde, verpflichtete den impulsiven Taktikfuchs und kassierte prompt den Klassenerhalt. Diese Saison setzte er nach: 4-2-3-1, hohes Pressing, Tempofußball – alles Dinge, die früher nur sporadisch funktionierten.

Ingolstadt ist pflicht, osnabrück vision

Ingolstadt ist pflicht, osnabrück vision

Die Stimmung an der Hafenstraße kocht. 25 000 Karten sind bereits weg, ein neuer Zuschauerrekord der laufenden Spielzeit droht. Koschinat warnt vor Euphorie-Überschwängen: „Wir haben nichts erreicht, außer eine Ausgangsposition.“ Trotzdem schickt er seine Mannschaft mit klarem Auftrag: früh stören, Zentrum dicht machen, mit den Außen sprengen. Ingolstadt kassierte in den letzten vier Auswärtsspielen neun Gegentore – Statistiken, die Koschinat studiert wie ein Schachgroßmeister seine Eröffnungen.

Ein Sieg würde nicht nur den Rückstand auf einen Punkt schrumpfen lassen, sondern auch die Moral der Verfolger mindern. Dynamo Dresden, Waldhof Mannheim und der 1. FC Saarbrücken lauern nur zwei Zähler dahinter. Die Devise lautet also: punkten oder erklären, warum nicht.

Zwischen emotion und analyse

Zwischen emotion und analyse

Wer Koschinat kennt, weiß: an der Seitenlinie ist er ein Kessel. Er schreit, gestikuliert, trat schon mal einen Wasserbecher in die Wolken. Doch nach dem Schlusspfiff wirkt er wie ausgewechselt: sachlich, präzise, fast schon kühl. Diese Doppelnatur macht ihn in der Kabine glaubwürdig. Spieler wie Lucas Brumme schwärmen von der „ehrlichen Art“: „Er sagt dir ins Gesicht, warum du heute nicht spielst, aber er erklärt dir auch, wie du es nächste Woche wieder in die Startelf schaffst.“

Die Stadt trägt ihn, die Fans singen seinen Namen. Doch Koschinat weiß: Legenden werden in Essen erst geboren, wenn der aufstieg perfekt ist. 17 Jahre nach dem letzten Zweitliga-Dasein ist der Klub bereit für die große Bühne. Der Coach auch. Er hat nichts zu verlieren – nur den Ball, und den holt er sich morgen zurück.