Korkmaz stürzt, drei türken fliegen – kroatien dreht die gruppe h komplett um

Die U21-EM-Qualifikation liefert ein Drama, das selbst erfahrene Reporter ins Stottern bringt: Türkei-Trainer Egemen Korkmaz sackt bewusstlos neben dem Spielfeld zusammen, die Partie wird für 120 Minuten unterbrochen, und als der Ball endlich wieder rollt, zerlegt Kroatien die Gäste mit 3:0 – und schickt zwei weitere Türken mit Rot vom Platz. Die Tabelle der Gruppe H? Von jetzt auf gleich gedreht.

Kurzer ausbruch, lange folgen

Alles beginnt mit einer gelb-roten Karte gegen Demir Ege Tiknaz in der 34. Minute. Korkmaz, mit 43 Jahren eigentlich der Ruhepol der türkischen Bank, rastet aus, reißt sich die Jacke vom Leib – und rutscht aus. Sein Kopf knallt auf den Rasen, die Schrecksekunde ist gigantisch. Schweizer Schiedsrichter Alessandro Dudic bricht sofort ab, die Opus Arena in Osijek verstummt. Teamärzte eilen herbei, Korkmaz kommt wieder zu sich, bleibt aber auf der Trage liegen. Die Nachrichtenlage ist zunächst dünn, die Bilder sprechen ihre eigene Sprache: ein Trainer, der sich selbst in Gefahr bringt, weil er seine Schützlinge verteidigen will.

Zwei Stunden später geht’s weiter – und die Türkei wirkt wie ausgewechselt. Die Nerven liegen blank, die Ordnung ist weg. Semih Kilicsoy und Cihan Canak folgen Tiknaz mit Rot, weil sie in zwei Minuten zwei Mal das letzte Mann-Prinzip ignorieren. Die Kroatien-Maschine dagegen läuft auf Hochtouren: ein Treffer vor der Pause, zwei nach dem Wiederanpfiff – fertig ist der Gruppen-Sechs-Punkte-Swing.

Tabellensituation: türkei jetzt im hintertreffen

Tabellensituation: türkei jetzt im hintertreffen

Vor dem Spiel führte die Türkei Gruppe H souverän an, jetzt sind es die Kroaten, die mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz eins lauern. Für die Türkei wird die Rechnung eng: noch zwei Matchdays, und die Leistungsträger aus Istanbul, Izmir und Trabzon müssen sich fragen, ob der mentale Knick von Osijek nachwirkt. Korkmaz wird laut Verbandsangaben stationär untersucht, „eine Schwellung am Kopf“ ist offiziell dokumentiert – die psychische Beule ist nicht quantifiziert.

Die Szene wirft auch ein Schlaglicht auf die heizbare Seitenlinie des modernen Fußballs: zwischen Analyse-Tablets, Leistungsdiagnostik und Co-Casting-Headsets vergessen manche Akteure, dass Emotionen nicht nur Tore, sondern auch Stürze produzieren können. Die U21 ist kein Kindergarten, hier geht es um Milliardenwerte – und manchmal um Millisekunden, in denen ein Schritt daneben reicht.

Kroatien feiert sich als Mentalitäts-Team, die Türkei muss umlenken. Für Korkmaz beginnt jetzt eine doppelte Rehabilitation: medizinisch und rhetorisch, denn seine Mannschaft braucht eine Führung, die nicht nur mit Wut, sondern auch mit Weitblick daherkommt. Die EM-Tickets sind noch nicht verteilt, aber eines steht fest: wer die Nerven behält, wird im Sommer 2027 dabei sein – und wer die Kontrolle verliert, landet auf der Trage oder vorzeitig unter der Dusche.