Kompakt, klar, endlich fair: das kompass-modell rückt näher

Der 14-jährige Regionalliga-Flickschusterei könnte 2026 ein Ende haben. Die Mehrheit der Klubs schwenkt auf das Kompass-Modell ein – künstliche Intelligenz statt Kommissar-Runde, vier Staffeln statt fünf, Meister rauf, die Letzten runter. Kein Gerede mehr von Lizenzpunkten, kein Hickhack um U23-Quoten. Sport entscheidet.

Die karte, die frymuth blockiert

Der DFB-Vize und West-Verbandschef Peter Frymuth redet weiter von „ergebnisoffener Arbeit“, doch hinter den Kulissen schiebt er genau jene Regionalliga-Südwest-West-Konstellation, die die Nordost-Staffel zersägen würde. Marcus Uhlig (Rot-Weiß Oberhausen) warnt: „Wenn der WDFV keine eigene West-Reform liefert, aber die anderen zerstört, ist das Sabotage.“ Die Rechnung: Ohne West-Zustimmung scheitert das Kompass-Modell im Bundesrat der Verbände – und genau das will Frymuth erreichen.

Der DFB-Spitze ist das klar. Sie fürchtet ein Scherben-Modell, in dem die prosperierende Nordost-Regionalliga ohne Not am Zirkel zerlegt wird. Die Antwort: Nur das Kompass-System garantiert, dass keine Staffel auseinandergerissen wird. Dafür braucht es 15 Stimmen aus 21 – und jetzt fehlen nur noch drei.

Bayern-interner aufstand gegen kern

Bayern-interner aufstand gegen kern

In Bayern rumort es lauter als je. Felix Magath, Sportvorstand der Spvgg Viktoria Aschaffenburg, nennt das Kompass-Modell „den einzig richtigen Ansatz“. Er schlägt die Bayern-Staffel selbst vor den Kopf: „Drei Monate Winterpause – das ist für Leistungssportler ein Witz.“ Auch Bayreuth, seit Jahren Fan- und Geld-Magnet, will raus aus der Isolation und fordert freiwillige Zuordnung zur Ost-Staffel mit Derbys gegen Jena und Halle. Der bayerische Präsident Dr. Christoph Kern sitzt auf einem Pulverfass aus Klub-Protesten.

Die Zahlen sprechen für sich: In der simulierten Saison 2025/26 würde Bayreuth 13 Derbys in maximal 300 Kilometern haben, statt elf Fahrten über 500 km plus Alpentrips. Geld gespart: rund 120 000 Euro. Zuschauer plus 25 Prozent. Kein Wunder, dass sich laut kicker bereits 17 von 20 Bayern-Klubs intern für den Kompass entschieden haben – nur offiziell traut sich noch niemand, Kern zu widersprechen.

Der norden zahlt 10 000 euro für luft

Der norden zahlt 10 000 euro für luft

Ralph-Uwe Schaffert, Präsident des Nord-Verbandes, lässt seine Klubs allein. Jeder Verein muss 10 000 Euro berappen, damit ein TV-Team das Spiel überhaupt aufnimmt – und trotzdem bleibt die Sendung im Regionalfenster. Die Folge: Sponsoren flüchten, Zuschauer bleiben weg. Greifswald, Eilenburg, Chemie Leipzig – alles Traditionsstandorte mit steigenden Zuschauerzahlen – würden bei einer Zerschlagung der Nordost-Staffel direkt in den Abstieg rutschen. Uhlig: „Das wäre ein Eigentor des DFB.“

Meyer zieht den stecker

Meyer zieht den stecker

Daniel Meyer, Sportchef des Halleschen FC, hat die Nase voll. Er nennt das Trio Kern-Schaffert-Frymuth einen „Boykott-Club“, der „gegen den Fußball arbeitet“. Sein Vorwurf: „Es geht nur um Posten und Macht, nicht um Sport.“ Der HFC hat zusammen mit Jena, Erfurt und Magdeburg intern bereits signalisiert: Falls das Kompass-Modell scheitert, prüfen sie eine Loslösung vom NOFV und einen eigenen Spielbetrieb. Ein Schritt, der den DFB-Spitzensport in Ostdeutschland spalten würde.

Die Deadline rückt. Am 25. März tagt die AG Regionalliga-Reform erneut. Frymuth muss liefern – oder nachgeben. Magath kündigt an: „Ohne klare Entscheidung ziehen wir unsere Klubs raus.“ Und Meyer schiebt nach: „Dann machen wir die Liga eben selbst.“

Ein Kommentar: Der Fußball hat 14 Jahre diskutiert, gekungelt und verzockt. Nun liegt der Ball auf dem Fuß von drei Verbandschefs. Wenn sie nicht treten, zerlegen sie nicht nur eine Staffel – sie riskieren die erste Ligarebellion der Amateure. Die Uhr tickt. Punkt.