Kolumbien: politische grabenfalle überschattet wm-vorbereitung

Ein Sturm der Empörung tobt in Kolumbien, nur wenige Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft 2026. Eine unbedachte Äußerung des Präsidenten Gustavo Petro auf X (ehemals Twitter) hat eine Welle von Hass und Rassismus gegen Nationalspieler Yerry Mina ausgelöst und die Vorfreude auf das Turnier getrübt.

Die eskalation durch eine vermeintlich harmlose veröffentlichung

Der Auslöser der Kontroverse war eine Veröffentlichung des Präsidenten, die zwei Bilder gegenüberstellte: Einerseits zeigt sie Mina, wie er Petro bei einer Zeremonie respektvoll einen traditionellen Hut entgegennimmt. Andererseits ein altes Video, in dem Mina in der Nähe des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe steht, während dieser auf einem Pferd ein Trainingsmanöver vollführt. Uribe hatte das Video einst humorvoll geteilt und auf den Größendifferenz zwischen ihm und Mina (1,96 Meter) angespielt. Petro interpretierte dieses Treffen jedoch als Ausdruck von Diskriminierung und veröffentlichte den Post mit den Worten: “Dignität oder nostalgische Erinnerungen an sklavenähnliche Adlige”.

Die sozialen Medien explodierten. Mina, der sich derzeit mit der Nationalmannschaft in San Diego auf die WM vorbereitet, wurde mit einer Flut von Beleidigungen, rassistischen Anspielungen und abfälligen Kommentaren überschüttet. Die Hassrede, die an die Zeit der Sklaverei erinnerte, überschwemmte seinen Instagram-Account. Ein trauriges Spiegelbild der tiefen politischen Spaltung im Land, die nun auch den Sport belastet. Bereits zuvor geriet James Rodríguez in ähnliche Schlagzeilen, was die Anfälligkeit der Nationalmannschaft für die öffentliche Meinung verdeutlicht.

Fokus auf den sport: néstor lorenzo versucht, den schaden zu begrenzen

Fokus auf den sport: néstor lorenzo versucht, den schaden zu begrenzen

Der Trainer Néstor Lorenzo und sein Team sind bemüht, die Spieler vor dem digitalen Bombardement zu schützen und den Fokus voll und ganz auf die sportlichen Aspekte zu lenken. Das letzte Testspiel gegen Jordanien steht bevor, bevor es weiter nach Guadalajara, Mexiko geht, wo die Mannschaft ihren Stützpunkt haben wird. Das mit Spannung erwartete Debüt der kolumbianischen Nationalmannschaft gegen Usbekistan im legendären Estadio Azteca am kommenden Mittwoch, den 17. Juni, um 21:00 Uhr (kolumbianische Zeit) wird zweifellos ein Prüfstein sein.

Die Situation zeigt deutlich, wie eng die Grenzen zwischen Politik und Sport in Kolumbien verschwimmen. Während die Welt sich auf das Fußballfest einstellt, kämpft das Land mit seinen inneren Konflikten, die nun auch die Vorbereitung der Nationalmannschaft überschatten. Die Mannschaft muss beweisen, dass sie trotz des äußeren Drucks auf dem Platz bestehen kann.