Köln vor dem derby im ausnahmezustand: el mala ausgerechnet jetzt krank
Said El Mala fehlte am Mittwoch. Kein Sprint, kein Schuss, kein Torjubel. Der 19-Jährige lag mit Fieber im Bett, während sein Klub am Rande der Leichenschau steht. Der FC bangt um seinen besten Schützen – und damit um die Saison.
Kwasnioks kartenhaus wackelt
Trainer Lukas Kwasniok musste auf dem Trainingsgelände in Köln-Worringen vier Ausfälle improvisieren. Fynn Schenten, gerade zurück aus dem Krankenlager, trainierte allein mit dem Reha-Coach. Jakub Kaminsli spürte jeden Ball auf dem gerösteten Mittelfuß, Florian Kainz humpelte vom Sprinttraining direkt in die Eismaschine. Die Länderspielpause kommt für den FC wie ein Notarzt: zu spät.
Die Zahre sind gnadenlos. El Mala trug neun der 27 Kölner Bundesligatore ein, ohne ihn wäre der FC schon jetzt auf Platz 18. Die Brighton-Leihe, von der Bild am Dienstag schrieb, ist für den Angreifer ein Rettungsanker – für den Klub ein Gedankenkarussell. Wer verkauft seinen Topschützen, wenn der Abstieg droht? Die Antwort lautet: ein Verein, der kurz vor der Pleite steht und dringend frisches Kapital braucht.

Das derby wird zum echotest
Samstag, 15.30 Uhr, RheinEnergieStadion. Borussia Mönchengladbach reist an, die Fans haben ihre Schals schon gewaschen, die Polizei ihre Hundertschaften. Für Köln geht es nicht nur um drei Punkte, sondern um die Glaubwürdigkeit des ganzen Projekts. El Mala muss bis Freitag negativ testen, sonst droht der nächste Super-GAU.
Kwasniok sprach am Mittag von „Kopfschmerzen auf ganzer Linie“. Die Mediziner listen Symptome auf, die Sportdirektor Steffen Baumgabrt liest auf Twitter mit, wie sich die eigene Zukunft auflöst. Ein Punkt Vorsprung auf Relegation, sieben Spieltage noch, und dann dieses Krankenhausflair mitten im Frühling.
Die Ironie: Erst am Wochenende zeigte der FC beim 1:1 in Hamburg Ansätze von Lebenszeichen, El Mala traf per Traumtor. Jetzt liegt er mit Thermometer im Mund, während Brighton-Coach Fabian Hürzeler schon den Medizincheck plant. Die Insel ruft, der Abstieg droht, und das Herz der Kölner schlägt im Stotterrhythmus.
Der FC ist ein Verein, der sich selbst zum Gegner hat. Am Samstag wird nicht nur gegen Gladbach gespielt, sondern gegen die eigene Fragilität. El Mala kann das Spiel nicht gewinnen, aber er kann es verlieren – wenn er fehlt. Die Uhr tickt, das Fieber bleibt. Und die Premier League wartet bereits mit offenen Armen.
