Köln holt ex-premier-league-chef: steidten soll fc wieder nach oben schieben

Tim Steidten kehrt zurück in die Bundesliga – und zwar mit einem Vollgas-Job. Der 46-Jährige übernimmt beim 1. FC Köln die neu geschaffene Position des Direktors Kaderplanung & Recruiting. Noch vor wenigen Wochen saß er als Technischer Direktor bei West Ham United am River Thames, jetzt soll er den FC am Rhein stabilisieren.

Warum köln gerade jetzt auf steidten setzt

Die Kölner Vereinsführung um Geschäftsführer Thomas Kessler haderte seit Jahren mit der Personalplanung. Zu vieleTransfers schwammen, zu viele Trainer kamen und gingen. Mit Steidten bekommt der Klub einen Mann, der in Bremen, Leverkusen und London Scouting-Abteilungen aufgebaut und Netzwerke gepflegt hat. Kessler lobt das „starke internationale Netzwerk“ und die „große Erfahrung“ des Neuzugangs – Worthülsen, hinter denen aber ein klarer Auftrag steckt: Köln will nicht mehr abstiegsbedroht um den Klassenerhalt zittern.

Steidten selbst klingt, als hätte er die Auszeit genutzt, um sich neu zu vermessen. „Im vergangenen Jahr habe ich mir bewusst eine Auszeit genommen und für mich klar definiert, was mir für meine nächste Aufgabe wichtig ist“, sagt er. Das klingt nicht nach Klub-PR, sondern nach einem Manager, der gelernt hat, dass er selbst der wichtigste Rohstoff ist. Seine Zeit in der Premier League habe ihn gelehrt, „dass Schnelligkeit und Daten keine Gegner sind, sondern Partner“. Genau das will er jetzt in der Bundesliga umsetzen.

Der lange weg vom sounder zum fc

Der lange weg vom sounder zum fc

Vor 20 Jahren lief Steidten noch für die Seattle Sounders auf, damals in der zweiten US-Liga. Nach seiner Karriere schlüpfte er ins Analystenkostüm, wurde in Bremen zum Sportchef befördert, wechselte 2019 zu Bayer Leverkusen und schließlich 2022 nach London. Dort baute er bei West Ham eine Daten-Scouting-Abteilung auf, die bei der Europa-League-Qualifikation 2023 mitspielte. Jetzt also Köln – ein Klub, der in den vergangenen drei Spielzeiten zweimal auf dem Relegationsplatz landete und nach wie vor mit den Folgen der Coronafinanzen kämpft.

Die Causa Modeste-Nachfolge oder die Verletzungsmisere im letzten Herbst haben gezeigt: Köln braucht nicht nur Spieler, sondern eine Philosophie. Steidten soll sie liefern. Er bekommt Einfluss auf Transfers, Medizin- und Leistungsdiagnostik sowie auf die Jugendkoordination. Ein Machtpakt, das es so in der Bundesliga selten gibt. Kritiker fragen sich: Passt ein Mann, der in London 90 Millionen Euro umsetzte, in die Kölner Spar-Kurve? Die Antwort lautet: Genau deshalb. Wer bei West Ham mit begrenztem Etat arbeitete, kann auch am Rhein haushalten.

Am Millerntor wird man aufmerksam zuhören. Steidten galt in Hamburg als heißer Kandidat auf den Sportdirektoren-Posten, doch Köln war schneller. Nun heißt es: Erste Testphase bis zur Winterpause, dann wird Bilanz gezogen. Die Fans erwarten keine Wunder, aber einen Plan. Steidten liefert sich direkt ab: „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass der FC künftig stabil in der Bundesliga spielt.“ Kein Pathos, nur Programm. Wenn er das umsetzt, steht dem FC eine neue Ära bevor – und vielleicht auch die erste Saison seit Jahren ohne Relegations-Angst.