Köln dreht zweimal auf, rettet sich ins 3:3 – und martel fliegt noch

Ein Schlag ins Wasser, ein Schlag ins Gesicht. Der 1. FC Köln verpasst im 100. Rheinderby den Befreiungsschlag, kassiert in der 84. Minute den Ausgleich, verliert in der 86. Minute den Kopf – und Lukas Kwasniok steht nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach weiter mit dem Rücken zur Wand.

Köln startet mit kaltem duschkopf, dann kocht das müngersdorfer kessel

Jens Castrop braucht 61 Sekunden, um die 50 000 Köpfe in den Nacken zu treiben. Cenny Neumann, 19, Startelfdebütant, verliert den Ball, Schwäbe kriegt die Hände nicht hoch – 0:1. Die Südkurve hat den Text noch nicht ausgesungen, da knallt Said El Mala den Ball zum 1:1 unter die Latte. Drei Minuten später dreht Ragnar Ache das Spiel, Köln atmet. Doch die Borussia antwortet. Philipp Sander schiebt locker ein, Kevin Diks trifft den Pfosten. Halbzeit, 2:2 – und alle wissen: Jetzt geht’s ums Pure.

Nach dem Seitenwechsel verflacht die Partie, bis Castrop erneut zuschlägt. Sein 20-Meter-Hammer unter die Latte sieht aus wie ein Freistoßtraining, Schwäbe ist Statist. Köln wankt, doch Eric Martel wirft sich in den Zweikampf, köpft das 3:3. Zwei Minuten später grätscht er erneut – Gelb-Rot, Dusche, Spiel vorbei. Kwasniok sprintet nicht mehr mit, er stemmt nur noch die Hände in die Hüfte.

Zwei punkte vorsprung auf den relegationsplatz – das reicht nicht zum atmen

Zwei punkte vorsprung auf den relegationsplatz – das reicht nicht zum atmen

Die Zahlen sind hart: kein Sieg seit sieben Spielen, nur zwei Punkte Luft, drei Tore in 90 Minuten – und trotzdem nur einer auf dem Konto. Die Gladbacher feiern im Auswärtsblock, die Kölner versinken im Groll. El Mala, kurz zuvor noch Thema „Premier-League-Wechsel“, pfeift nach Abpfiff nur noch durch die Kabinengänge. Kwasniok redet von „Charakter“, von „letztem Hemd“, aber die Wahrheit lautet: Ohne Sieg bleibt der Trainer ein Sitzfleisch-Kandidat.

Der FC steht am Abgrund, der FC tanzt auf dem Seil. Nächste Woche geht’s nach Augsburg – dann wird nicht mehr gespielt, sondern überlebt.