Kohlschreiber: zverev kann wimbledon überraschen!

Philipp Kohlschreiber, Wimbledon-Kenner und ehemaliger Tennisprofi, sieht in Alexander Zverev nach dessen French-Open-Triumph einen ernstzunehmenden Herausforderer im Londoner Rasenklassiker. Anders als viele Experten erwartet Kohlschreiber nicht, dass der Titelgewinn Zverev zusätzlich belastet, sondern ihm sogar neue Möglichkeiten eröffnet.

Ein veränderter zverev auf dem weg zum rasen-titel

Kohlschreiber, der selbst 2012 Wimbledon erreichte, hebt hervor, dass Zverevs Spiel sich gewandelt hat. Der Hamburger agiere nun „kreativer“ auf dem Platz, bringe Stoppbälle ins Spiel und nutze Serve-and-volley-Aktionen. Diese taktische Flexibilität könnte ihm auf Rasen zugutekommen und ihn von der Konkurrenz abheben. „Ich glaube, dass Jannik Sinner der Topfavorit ist – aber direkt dahinter folgt Alexander Zverev“, so Kohlschreiber im Gespräch mit Eurosport.

Der Gewinn der French Open scheint Zverev tatsächlich befreit zu haben. Der Druck, als einer der besten Spieler ohne Grand-Slam-Titel zu gelten, lastete schwer auf ihm. Kohlschreiber vergleicht die Situation mit der von Marcelo Rios, einem sensationellen Spieler, der jedoch nie ein Major gewann. Zverev habe diesen Fluch nun abgelegt, und die Erleichterung sei ihm anzusehen.

Djokovic als dunkler pferd – und deutsche hoffnungen

Djokovic als dunkler pferd – und deutsche hoffnungen

Obwohl Novak Djokovic auf Rasen als nahezu unschlagbar gilt und bereits siebenmal den Titel gewann, schätzt Kohlschreiber seine Chancen in diesem Jahr etwas vorsichtiger ein. „Novak ist kein Topfavorit mehr, aber ein Dark Horse wäre zu tief gegriffen“, meint der ehemalige Profi. Die Bedingungen in Wimbledon, mit flachen Bällen und der Fähigkeit des Belags, Hitze abzugeben, passen jedoch ideal zu Djokovics Spiel.

Auch für deutsche Tennisspieler gibt es Grund zur Hoffnung. Neben Zverev sieht Kohlschreiber in Daniel Altmaier, der in Halle bereits beeindruckte, einen potenziellen Überraschungsspieler. „Rasentechnik und Daniel, das war nicht immer eine glückliche Verbindung. Aber jetzt hat er Dustin Brown als Rasenexperten an seiner Seite – das könnte Wunder wirken“, so Kohlschreiber.

Tatjana Maria, mit ihrem unorthodoxen Spielstil und ihren Slice-Bällen, bleibt ebenfalls eine Brandgefährliche auf Rasen. Auch Laura Siegemund, bekannt für ihren Kampfgeist, könnte für eine Überraschung sorgen. Die Frage ist, ob der French Open-Triumph Zverevs einen Boom im deutschen Tennis auslösen kann, wie es bei Jannik Sinner der Fall war. Kohlschreiber hält dies jedoch für unwahrscheinlich, da Zverev bereits so lange erfolgreich ist. Aber eines ist klar: Ohne Alexander Zverev wäre die Berichterstattung über das deutsche Tennis deutlich weniger aufregend.