Kofane entzaubert arsenal und schreibt leverkusens märchen fort

London-Auswärts dress, Champions-League-Feeling, die Gunners ersticken in Ballbesitz – und da kracht’s. Christian Kofane, 19 Jahre alt, einst Unbekannter aus Douala, spult Saliba und Gabriel schwindelig, schlägt Traumpässe, tankt sich durch. Kein Tor, keine Vorlage, trotzdem der Held. Die Kabine tost: „Kofi, Kofi, Kofi.“

Ein sommer für fünf millionen, ein winter für die ewigkeit

Die Ablöse klang nach Schnäppchen, die Berater nannten es „Lotterieticket“. Simon Rolfes lächelt heute: „Wir haben gezielt gespürt, dass hier etwas Großes wächst.“ Zwischen November 2024 und März 2026 liegen gerade einmal 16 Monate. In dieser Zeit schaffte Kofane den Sprung vom AS Nylon in Douala über Albacetes U19 und den Profi-Kader LaLiga2 bis in den Sturm-Reigen von Bayer Leverkusen. 36 Pflichtspiele, sieben Tore, acht Vorlagen – Statistiken, die sich nicht so sehr in Zahlen, sondern in Bildern erklären: seinem Solo gegen Real Betis, seinem Pressing gegen Stuttgart, seinem Dribbling gegen Arsenal, das Twitter-Accounts in Rekordzeit zerlegten.

Trainer Kasper Hjulmand schwärmt von der „trainingslüsternen Art“ seines Schützlings: „Er bettelt regelrecht um Korrektur, will Clips, will Zahlen, will wissen, warum seine Tiefe nicht funktionierte.“ Tags darauf kommt Kofane mit Notizen, „wie ein Student, der zur Prüfung büffelt“. Das gefällt auch Fernando Carro. Der Geschäftsführer wartete nach dem 1:1 am Mittwoch mit einem Klammergruß: „Du zeigst, wofür wir stehen – Mut, Geschwindigkeit, Zukunft.“

Saliba und gabriel lernten seinen namen auswendig

Saliba und gabriel lernten seinen namen auswendig

Die Premier-League-Abwehr galt als Referenz. Saliba: 1,92 m, 85 kg, 75 Prozent Zweikampfquote. Gabriel: 1,90 m, Luftdominanz. Kofane misst 1,78 m, wiegt 73 kg. Macht nichts. Er nimmt den Ball im Zentrum, dreht sich in zwei Bewegungen, schon steht Saliba einen Meter zu spät. Beim nächsten Mal chippt er in die halblinks Lücke, springt über Gabrieles Grätsche, wird erst im letzten Moment gestoppt. „Die Jungs haben ihn angefahren, gedrückt, gezogen – er stand wieder auf“, sagt Exequiel Palacios, „das reiht sich ein in die Legendenstunden hier.“

Ob Bundesliga-Abstimmung oder Champions-League-Rhythmus – Kofane wirkt, als habe er beide Taktungen im Ohr. Sein Laufweg öffnet Räume für Wirtz, seine Ablage setzt Frimpong in Szene. Ohne seine Bewegung fällt auch das späte 1:1 nicht, weil sich Arsenal in der Nachspielzeit weit aufrichten muss.

Von eto’o geprägt, von bremer leihe befördert

Von eto’o geprägt, von bremer leihe befördert

Samuel Eto’o, Verbandschef und Idol, schickte vor dem Afrika-Cup eine Sprachnachricht: „Denk groß, aber arbeite klein.“ Kofane folgte dem Rat, lehnte erst einmal Länderspiel-Einladungen ab, um sich in Leverkusen einzuschleifen. Der Plan ging auf. Als Victor Boniface nach Bremen ausgeliehen wurde und Patrik Schick kurz später musste, rückte Kofane in die Spitzen-rotation. Seitdem verpasst er keinen Kader mehr. In Kamerun traf er beim Afrika-Cup doppelt, gegen Gambia und Angola. Die Fans dort nennen ihn „Njangs“, was so viel heißt wie „Windhund“, der den Ball jagt, bevor der Gegner überhaupt pfeift.

Seine Familie lebt noch in Douala, schaut Spiele in einer offenen Kneipe mit Projektionsleinwand. „Wenn ich auftauche, schreien alle so laut, dass die Polizei kommt“, sagt er lachend. Die Mutter schickt ihm Clips von den Feiernden, die Schwester zählt WhatsApp-Sprachnotizen. „Das ist mein Druck, mein Antrieb. Ich spiele nicht für Statistiken, ich spiele für Gesichter, die glücklich werden.“

Gegen bayern und arsenal soll der nächste akt folgen

Samstag, 15.30 Uhr, BayArena. Gegner: FC Bayern. Davor jubelten bereits Dortmund und Frankfurt, danach kam Arsenal. Kofane wird wieder in der Startelf stehen, weil seine Energie kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist. „Wenn wir Punkte gegen München holen wollen, brauchen wir seine Laufmeter“, betont Hjulmand. Drei Tage später geht’s zurück nach London. Für das Wunder ist ein Tor nötig – oder ein Kofane-Dribbling, das das Stadion verstummen lässt.

Leverkusen schreibt gerade das nächste Kapitel seiner Europa-Saga. Die erste Fußball-Lehrstunde lautet: Talent ist gut, Charakter ist besser. Christian Kofane bringt beides mit – und eine Portion Bodenständigkeit, die selbst den Dopingkontrolleur beeindruckte. Als der Kammeruner nach seinem Test zurück in die Kabine lief, stand Simon Rolfes vor der Tür. „Weißt du, was das Schönste ist?“, sagt der Manager. „Dass wir nächste Woche wieder auflaufen dürfen. Und dass er dann mittendrin steht.“ Die restliche Champions League soll das herausfinden, wie weit ein 19-Jähriger trägt, der vor einem Jahr noch in der zweiten spanischen Liga spielte. Die Antwort liegt in seinem Blick: so weit, wie die Reise eben noch geht.