Knorr packt aus: wie gislason seine em-kritik zum guten wendete

Ein verlorenes Spiel, ein verpatzter Buzzer, ein lauter Nachwuchsstar – und der Bundestrainer reagiert mit Kühle. Juri Knorr verrät im kicker, wie Alfred Gislason seine öffentliche Rüge in Luft auflöste.

27:30 gegen Serbien, zwei Minuten vor Schluss. Knorr trifft zum Ausgleich, doch Gislason drückt zu früh die grüne Taste, bekommt eine Zeitstrafe, Deutschland verliert. Die erste EM-Niederlage wirft die DHB-Auswahl an den Rand des Ausscheidens. Die Stimmung kocht. Knorr, 25, ein Spieler mit Anspruch, sitzt auf der Bank – und platzt.

„Natürlich brodelt es“, sagt er ins Mikro, „wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann“. Die Worte rasen durchs Netz. Ein Jungprofi, der den Isländer anprangert? Selten war eine Kritik so offen. Intern klingelt’s.

Das gespräch am nächsten tag: kein donnerwetter, sondern durchlass

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Knorr sucht Gislason auf. Erwartet Zorn, bekommt Entgegenkommen. „Er ist einfach sehr entspannt damit umgegangen, hat mir das nicht übel genommen und mich fast noch darin bestärkt, Dinge anzusprechen“, sagt der Rechtsaußen. In einer Branche, in der jede Sekunde zählt und jede Machtfrage endet, ist das keine Selbstverständlichkeit. „Es zeigt seine Größe“, findet Knorr.

Die Silbermedaille, die folgt, wäre ohne diesen Knall vielleicht nicht möglich gewesen. Die Gruppe schließt sich, Gislasons System bleibt stabil, Knorr wird Leistungsträger. Der Coach hatte die Eruption nicht nur ertragen, er nutzte sie als Katalysator.

Knorr zieht Bilanz: „Ich würde es in der Form wahrscheinlich auch nicht wieder machen. Ich bin Alfred Gislason aber dankbar.“ Die Lektion: Laut zu sein ist erlaubt, wenn man bereit ist, die Konsequenz zu tragen. Und manchmal reagiert die Führung stärker, wenn sie nicht backt, sondern zuhört.