Klima-protester stoppt radklassiker – groenewegen gewinnt, molano fliegt
Die Ronde von Brügge wurde zur Schreckensfahrt. 30 Kilometer vor dem Ziel warf sich ein 48-jähriger Klimaaktivist aufs Pflaster – mehrere Fahrer knallten zu Boden, einer schied aus. Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vorsätzlicher Körperverletzung.
Die Bilder gingen um die Welt. Ein Mann in Jeans und Kapuze, auf dem Asphalt kauernd, das T-Shirt mit der Aufschrift „Kinder sterben durch die Klimakrise“, um ihn herum Hochkaräter auf Carbon-Rädern, die bei 60 Stundenkilometern in die Eisen gehen. Sekundenbruchteile später liegt Juan Sebastián Molano im Graben, sein links Knie blutet, das Rad Colombianos zersplittert. Der Kolumbianer schrie, doch das Motorengrollen der Begleitmotorräder verschluckte seinen Schmerz.
Warum gerade jetzt und genau hier?
Brügge gilt als flandernloses Schicksalstraum – Kopfstein, enge Gassen, kein Ausweichmanöver. Die Organisatoren hatten die Strecke zwar abgesperrt, doch der Protester schlüpfte durch eine Lücke zwischen Zuschauerbühnen. Ein Polizist packte ihn, aber zu spät: Die Spitzengruppe war bereits im Tunnelblick. „Ich konnte nur noch bremsen und hoffen“, sagte Dylan Groenewegen, der später als Erster durchs Ziel fuhr – 202,9 km in 4:41:12 h.
Die Konsequenzen folgen sofort. Festnahme, Platzverweis, ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Die Staatsanwaltschaft Westflandern bestätigt: „Wir prüfen Haftstrafen.“ Der Mann ist lokalen Medien zufolge kein Unbekannter – bereits im vergangenen Jahr störte er eine Fußball-Partie, indem er sich an der Seitenlinien band.

Was das rennen kostete
Molano schied mit Prellungen und Schürfwunden aus, sein Team UAE Emirates sprach von „mindestens zwei Wochen Pause“. Die Unibet Rose Rockets um Marcel Kittel profitierten indirekt: Ihr Lead-out lief ohne Zwischenfall, Groenewegen konnte sich voll auf den Sprint konzentrieren. „Wir haben das Trainingslager in Denia darauf ausgelegt, genau diese 300 letzten Meter zu dominieren“, sagte Kittel, der als Sprintcoach endlich den ersten WorldTour-Sieg seiner Truppe feierte.
Doch der Sieg schmeckt bitter. „Ich hätte lieber mit Molano um den Sieg gekämpft, als so zu gewinnen“, meinte Groenewegen im Zielinterview. Auch er stürzte in der Saison 2021 schwer – seitdem ein sensibles Thema. Die Radfahrer-Gewerkschaft CPA kündigt rechtliche Schritte gegen die Organisatoren an: „Wenn ein einzelner Aktivist die Strecke kreuzen kann, stimmt etwas mit dem Sicherheitskonzept nicht.“

Die zahl des tages
35 000 Euro – so hoch fällt die Sicherheitsstrafe aus, die die UCI laut Regelwerk verhängen kann. Für den Veranstalter ein Spitzenwert, für die Teams ein Trostpflaster. Der wahre Preis bleibt aber immateriell: das Vertrauen, dass Klima-Proteste nicht mitten ins Feld platzen. Die nächste Rundfahrt steht bevor – und die Streckenposten schauen jetzt schon nervöser Richtung Publikum.
Die Ronde von Brügge endete mit einer Spurt-Gala, doch die Bilder des Sturzes werden länger nachklingen als der Jubel. Molano fliegt nach Hause, der Protester sitzt in U-Haft, und die Teams schärfen ihre Sicherheitsbriefings. Die Botschaft ist klar: Auf der Piste zählt nur das Rad – alles andere ist Bedrohung.
