Kletter-ikone azu tejada stellt sich dem felsmonster clavijo
Azu Tejada lacht, nippt an ihrem Bier und schiebt die Locken zurück. Dann sagt sie einen Satz, der jeden Bergsteiger frieren lässt: „Ich will Clavijo im Durchstieg. Ohne Rast, ohne Seil, nur mit den Fingerspitzen und dem Herzklopfen.“ Die 37-Jährige aus Logroño kennt sich aus mit Risiko – Boxring, Reality-TV, 8b+-Routen –, doch der brockelnde Kegelkonglomerat von Clavijo ist eine andere Liga. Wer dort abrutscht, fliegt bis zum Eza-Bach, 300 Meter tiefer.
Der berg ruft – und er fordert den kopf
Clavijo ist keine Höhe, sondern ein Gemütszustand. 700 Meter Schrottpuzzle aus runden Quarzitsteinen, die wie lose Murmeln im Beton wackeln. „Du greifst sie mit Pinzten, trampelst sie ab, und trotzdem weißt du nie, welcher Brocken sich dreht“, sagt Tejada. Die Route Directísima de los Conglomerados gilt als psychologische Gratwanderung: Ständig das Gefühl, der Fels könne sich selbst abschalten. Ein einziger Fehler, und die Wand wird zur Falltür.
Deswegen trainiert Azu sechsmal die Woche im Logroñer Hallenkraxelwerk Neko. Doppelgriffe, Monozüge, Fingerboard-Reps – alles, um die Unterarme zu veröden. Am Wochenende fährt sie hoch in die Sierra de la Demanda, um Blockgriff und Panik im Original zu studieren. „Kletterhalle ist Labor, Fels ist Wirklichkeit. Aber beide Seiten braucht man, wenn man sich in Clavijo nicht verlieren will.“

Frauen, die fallen – und wieder hochkommen
Dafür spielt sie gerne mit dem Publikum. Nach „El Conquistador“ 2017, wo sie mit zerissener Haut und 200 Zeckenstichen zurückkehrte, wartet sie auf den Anruf von Supervivientes. „Die Insel ist ein Spiel, der Berg ist es nicht. Aber beide liefern dieselbe Dopamin-Bombe.“
Am Fuß von Clavijo steht sie nun, stirbt die Sonne hinter den Rotweinbergen. Ihr Projekt: 260 Meter, zwölf Seillängen, alleine, in einem Tag. Chronometer läuft am 14. Juni. Wenn die Murmeln halten, landet sie in der Kletter-Geschichte Spaniens. Wenn nicht, wird sie trotzdem landen – mit dem Fallschirm aus Erfahrung. Denn wer einmal gespürt hat, wie sich Vollendung anfühlt, kann nicht mehr anders. „Ich brauche diesen Kick, um zu verstehen, dass Freiheit oben an der Kante beginnt – und dass manchmal ein einziger Griff über Erfolg oder Exitus entscheidet.“
