Kimmich-debatte eskaliert: nagelsmann unter druck nach ecuador-pleite
Dortmund – Der Schock sitzt tief im deutschen Fußballlager. Nach der überraschenden 1:2-Niederlage gegen Ecuador kocht die Debatte um die Position von Joshua Kimmich erneut auf. Lothar Matthäus forderte offen, den Kapitän nach hinten zu stellen, und sorgte damit für zusätzliche Unruhe im DFB-Team.
Die frage nach der balance im mittelfeld
Das Spiel gegen Ecuador offenbarte deutliche Schwächen im zentralen Mittelfeld. Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha konnten nicht überzeugen, und die Abstimmung ließ zu wünschen übrig. Kimmich, der gegen Ecuador auf dem rechten Flügel agierte, wirkte dabei fehl am Platz und konnte seine gewohnten Qualitäten nicht voll entfalten. Matthäus, der als einer der schärfsten Kritiker des DFB gilt, sprach Klartext: „Ich sehe Joshua nicht auf dem Platz, wie ich ihn seit Jahren kenne. Auf rechts schafft er das irgendwie nicht. Holt ihn hinten weg!“
Die Forderung des Weltmeisters von 1990 ist drastisch, aber sie wirft einen wichtigen Punkt auf: Kimmich ist im zentralen Mittelfeld eine absolute Weltklasse, wie er es bei Bayern München eindrucksvoll bewiesen hat. Auf der rechten Seite fehlt ihm jedoch die nötige Durchschlagskraft und Führungsstärke, um das Spiel entscheidend zu beeinflussen.
Kimmich selbst wich der direkten Frage nach seiner bevorzugten Position geschickt aus. Er betonte lediglich, dass die Entscheidung letztendlich beim Bundestrainer liege und er bereit sei, dort zu spielen, wo Nagelsmann ihn einsetzt. Ein diplomatisches Statement, das die anhaltende Unsicherheit um seine Rolle im Team unterstreicht.

Nagelsmanns dilemma: flexibilität oder kontinuität?
Julian Nagelsmann scheint sich jedoch auf eine Rochade zu verweigern. Er lobte die Leistung von Pavlovic und Nmecha im letzten Gruppenspiel und betonte, dass er nicht auf die beiden verzichten werde. Zudem erinnerte er daran, dass Kimmich bei der EM 2024 als Rechtsverteidiger „topwerte“ erzielt habe. Ein Argument, das zwar stimmt, aber die aktuelle Situation nicht berücksichtigt.
Die Erinnerungen an 2014, als Joachim Löw lange an der Aufstellung von Philipp Lahm im Mittelfeld festhielt, obwohl dieser auf der rechten Verteidigerposition stärker war, sind noch immer präsent. Erst nach dem Achtelfinale korrigierte Löw seine Entscheidung. Ob Nagelsmann aus der Geschichte lernen wird, bleibt abzuwarten.
Die Entscheidung, Kimmich auf die rechte Seite zu stellen, mag kurzfristig sinnvoll erscheinen, um die Konkurrenzfähigkeit im Team zu gewährleisten. Doch langfristig könnte sie sich als Fehler erweisen, wenn Kimmich seine Rolle nicht akzeptiert und das Team nicht optimal unterstützt. Die Zeit drängt, denn am Montag steht das entscheidende K.o.-Duell gegen einen starken Gegner an.
Die deutsche Fußballnation hält den Atem an. Wird Nagelsmann einlenken und Kimmich ins Mittelfeld zurückholen, oder wird er an seiner aktuellen Strategie festhalten? Die Antwort auf diese Frage wird über den weiteren Verlauf der WM entscheiden.
