Kimmich lacht, löw rotiert: die wm-uhr tickt schon
Erst zwei Testspiele, schon läuft die Stoppuhr. Joshua Kimmich betrat das Gelände im bayerischen Trainingscamp mit dem breiten Grinsen eines Mannes, der weiß: In vier Monaten zählt jeder Pass. Die Schweiz am Freitag, Ghana am Montag – das sind nur Aufwärmübungen für das Turnier, das im Juni die Nation in Atem halten wird.

Die ständige neuausrichtung von bundestrainer löw
Kein Länderspiel ohne Neuanfang. Löw stellt um, wie immer. Drei Tage arbeitet er an einer Formation, die vielleicht schon wieder verworfen wird, wenn die Gruppenphase losgeht. Dabei bleibt nur eine Konstante: Kimmich. Knie gepflegt, Lunge offen, Hirn auf Empfang. „Wir müssen bereit sein, wenn’s brennt“, sagt er, und meint nicht das Freundschaftsspiel in Basel, sondern die Hitze von Katar, Kamerun oder wo immer das Finale steigt.
Die Zahlen sprechen klar: 73 Einsätze in 84 möglichen Länderspielen seit seinem Debüt 2016. Das ist keine Dauerpräsenz, das ist Eisensyndrom. Die Maschine Kimmich friert nie ein, selbst wenn der Trainer wieder mal den Stecker zieht und neu startet.
Im Quarantäne-Jahr 2020 wurde ihm die Kapitänsbinde über Nacht verliehen, weil Neuer ausfiel. Seitdem trägt sie jemand anders, doch Kimmich bleibt Schatten-Kapitän. Die Jungs nennen ihn „Laptop“ – ständig läuft irgendeine Analyse im Hinterkopf. Gegen die Schweiz wird er wieder die Sechser-Position übernehmen, obwohl er sich in München schon längst als Rechtsverteidiger etabliert hat. Löw will ihn zentral, weil dort der Schaltkreis sitzt.
Die Frage ist nicht, ob Kimmich spielt, sondern mit wem. Goretzka? Neuhaus? Kroos, falls er zurückkommt? Löw testet, bis die Nerven blank liegen. Der Bundestrainer liebt diese Laborphase, weil sie ihn entlastet. Verliert man gegen die Schweiz, war es ein Experiment. Gewinnt man, war es Weitsicht.
Kimmich selbst schert sich nicht um die Positionsdiskussion. Er weiß: In der WM-Knockout-Phase gibt es keine Testreihen mehr. Dort zählt ein einziger Fehler, und der landet auf seinem Zugriff. „Wir können uns keinen Ausrutscher leisten“, sagt er, während er die Stollen abschüttelt. Drei Sätze, kein Pathos, dafür eine Gewissheit, die kälter ist als der Februarwind über dem Trainingsplatz.
